Die Schlacht von Schärding - © „Die Schlacht von Schärding“ (um 1742) von Josef Ignaz Mildorfer. Foto: Salzburg Museum
Ausstellung

Revolutionäre Lichtregie

1945 1960 1980 2000 2020

Ausdrucksstark, pathetisch, skizzenhaft: Das Obere Belvedere widmet Josef Ignaz Mildorfer, einem beinahe vergessenen Meister des Wiener Akademiestils, eine Einzelausstellung.

1945 1960 1980 2000 2020

Ausdrucksstark, pathetisch, skizzenhaft: Das Obere Belvedere widmet Josef Ignaz Mildorfer, einem beinahe vergessenen Meister des Wiener Akademiestils, eine Einzelausstellung.

Er war ein „Rebell des Barock“: Josef Ignaz Mildorfer, der im Oberen Belvedere in seiner ers­ten Einzelausstellung präsentiert wird. Zu einer Zeit, aus der uns heute vorrangig Paul Troger und Franz Anton Maulbertsch ein Begriff sind, lotete der Tiroler Maler und Freskant künstlerische Konventionen aus, indem er neue Extreme in Bewegung, Ausdruck und Licht sowie expressive Figurentypen fand. Mildorfer, der beispielsweise Fresken in der Wallfahrtskirche auf dem Hafnerberg, im Mena­geriepavillon in Schönbrunn und in der Krypta der Kaiserin Maria ­Theresia in der Kapuzinergruft schuf, war vor allem um die Mitte des 18. Jahrhunderts berühmt, als er die wichtigsten Preise der Wiener Akademie überreicht bekam, an der er später auch als Professor wirkte. Von hier aus wurde er Teil einer Entwicklung, die die geltenden Maximen hinterfragte.

Er war ein „Rebell des Barock“: Josef Ignaz Mildorfer, der im Oberen Belvedere in seiner ers­ten Einzelausstellung präsentiert wird. Zu einer Zeit, aus der uns heute vorrangig Paul Troger und Franz Anton Maulbertsch ein Begriff sind, lotete der Tiroler Maler und Freskant künstlerische Konventionen aus, indem er neue Extreme in Bewegung, Ausdruck und Licht sowie expressive Figurentypen fand. Mildorfer, der beispielsweise Fresken in der Wallfahrtskirche auf dem Hafnerberg, im Mena­geriepavillon in Schönbrunn und in der Krypta der Kaiserin Maria ­Theresia in der Kapuzinergruft schuf, war vor allem um die Mitte des 18. Jahrhunderts berühmt, als er die wichtigsten Preise der Wiener Akademie überreicht bekam, an der er später auch als Professor wirkte. Von hier aus wurde er Teil einer Entwicklung, die die geltenden Maximen hinterfragte.

Vor allem wollen die Ausstellungsmacher Mildorfer im Kontext seiner Zeit präsentieren und die von ihm maßgeblich mitbetriebene Veränderung im Malstil aufzeigen.

In der Ausstellung – die Teil der ­Reihe „Im Blick“ ist – sind frühe ­Schlachtenbilder für den kirchlichen und privaten Gebrauch sowie für die Akademie-Wett­bewerbe geschaffene Gemälde und Entwürfe für Deckenfresken zu sehen. Vor allem wollen die Ausstellungsmacher Mildorfer im Kontext seiner Zeit präsentieren und die von ihm maßgeblich mitbetriebene Veränderung im Malstil aufzeigen. „Oftmals ­eignen sich Maler, die nicht in der ersten Reihe stehen, besonders gut, um Netzwerke darzustellen und zu zeigen, was die originäre Leistung war“, sagt Belvedere-Direktorin ­Stella ­Rollig.

Gelenkte Blicke

Was war das „Rebellische“ an Josef Ignaz Mildorfer? „Es waren vor allem die bewegten, ausdrucksstarken Figuren mit fast skizzenhaft hingeworfenen Gesichtern, die kontrastreiche Lichtregie, der ausgeprägte Pathos und die emotionsgeladene Kraft, die zu dieser Zeit die Werke ausmachten“, sagt Kuratorin Maike Hohn. „Mildorfer wurde mit dieser neuen Formensprache und seinem Figurenrepertoire, den ausladenden Bewegungen und den kühnen Verkürzungen eine besonders zentrale Größe des neuen Stils.“ Wie seine neuartige Lichtführung wirkte, wird in der Schau besonders anhand des vierteiligen alttestamentarischen Engelszyklus offenbar. Mithilfe des oft widernatürlich fallenden Lichts lenkt Mildorfer den Blick des Betrachters ganz gezielt auf Mensch und Engel. Ein ehemaliges Hochaltarbild von Sankt Moritzen bei Telfs zeigt, wie Mildorfer den Fokus ganz auf den Schmerz der Mutter legt. Ein im Belvedere daneben hängendes Bild wurde aufgrund der ebenso verschliffen gemalten, geschwollenen Augenlider und der Hautrötungen kürzlich ebenfalls Mildorfer zugeschrieben.

Nicht leicht ist es, Werke Mildorfers und Trogers auseinanderzuhalten, so sehr hatte Mildorfer Trogers Stil aufgesaugt, wie hier auch die Gegenüberstellung der Umsetzungen beider Künstler von „Moses und die eherne Schlange“ zeigt. Was Wunder, dass die „Offenbarung des Messias aus der Jungfrau“ früher abwechselnd Troger und Mildorfer zugeschrieben wurde, heute geht man von einer Urheberschaft Trogers aus. Umgekehrt ist es bei „König Saul bei der Hexe von Endor“, heute gilt Mildorfer als Urheber. Der Vergleich mit den Werken Maulbertschs macht seinerseits augenscheinlich, wie dieser die Eigenschaften des neuen Akademiestils so weit führte wie kein anderer, was karikaturhafte Züge und irrationale Lichtregie anbelangte.

Ein Kuriosum sind Mildorfers „Pandurenbilder“, in denen sich seine Beschäftigung mit dem von Maria Theresia angeführten Österreichischen Erbfolgekrieg niederschlug. Er porträtierte Kämpfer militärischer Hilfstruppen, die die Habsburger an der südöstlichen Reichsgrenze rekrutiert hatten. Diese fremdartig und verwegen wirkenden Krieger, um die sich damals viele Geschichten rankten, stellt er mit exotischen, farbenprächtigen Gewändern und eigenwilligen, fast verzerrten Gesichtern dar. In seinen für die Ausstellung vereinten fünf Schlachtenbildern war es Mildorfer sichtlich ein Anliegen, den Krieg in all seinem Grauen vorzustellen und ihn keinesfalls zu verherrlichen.

So revolutionär er damals auch war, konnte sich der Wiener Akademiestil nur kurz als künstlerisches Phänomen etablieren und wurde bald vom Vormarsch klassizistischer Tendenzen eingeholt. ­Mildorfer geriet in jene Vergessenheit, aus der man ihn nun mithilfe der Ausstellung im ­Oberen Belvedere holen möchte.

Ausstellung

Josef Ignaz Mildorfer. Rebell des Barock

Teil der Reihe „Im Blick“
Oberes Belvedere, bis 6. Jänner 2020
tägl. von 9 bis 18 Uhr, Fr bis 21 Uhr
www.belvedere.at