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Von Spuren getragen

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Holocaust-Denkmal_Berlin_Erinnerung - © mariamarinb/Pixabay
Feuilleton

"Bei den Tätern ist nur Schweigen"

1945 1960 1980 2000 2020

Gedenken und Gedächtnis haben im Jubiläumsjahr Hochkonjunktur. Doch die Gefahr ist groß, dass es bei hohlen Gesten bleibt. Die deutsche Kulturwissenschafterin Aleida Assmann beschreibt die Tücken des kulturellen Gedächtnisses.

1945 1960 1980 2000 2020

Gedenken und Gedächtnis haben im Jubiläumsjahr Hochkonjunktur. Doch die Gefahr ist groß, dass es bei hohlen Gesten bleibt. Die deutsche Kulturwissenschafterin Aleida Assmann beschreibt die Tücken des kulturellen Gedächtnisses.

DIE FURCHE: In ihrem Buch "Geschichtsvergessenheit - Geschichtsversessenheit" beschreiben Sie das problematische Verhältnis der Deutschen zu ihrer Vergangenheit. Ist die Tatsache, dass nun ein Deutscher zum Papst gewählt wurde, ein Zeichen für die Rückkehr zur Normalität?

Aleida Assmann: Es gab für dieses Ereignis eine denkbar merkwürdige Überschrift in der Bild-Zeitung: "Wir sind Papst!" Hinter diesem Satz steckt eine Formulierung, die plausibler ist: "Wir sind Weltmeister!" Das ist ein Satz aus dem Vokabular des Nationalstolzes. Es zeigt eine neue Ambition einer Nation, die durch Negativerfahrungen geprägt ist und nun versucht, positive Erlebnisse dagegenzustellen. In diesem Fall denke ich, dass das Thema Normalität noch nicht Gegenwart geworden ist. Wir befinden uns vielmehr noch immer in einer posttraumatischen Zeit. Man sieht das an der Anormalität dieses Erinnerungsprozesses - Erinnerungen, die in die Ferne rücken, werden nicht blasser, sondern stärker. Das kann man nur aus einer gewissen Psychodynamik heraus erklären, die immer noch anhält - auch 60 Jahre nach dem Krieg. Die Jahre des Nationalsozialismus und des Krieges waren so etwas wie eine gestauchte Zeit, eine Zeit, die wie in einem Teleskop ineinandergeschoben war, wo sich ein entsetzliches Grauen entfaltet hat, das nicht sofort bearbeitet werden konnte. Es gab immer noch Tabuphasen von bestimmten Themen und eine lange Phase des Integrierens in Gesprächs- und Diskurszusammenhänge.

DIE FURCHE: In ihrem Buch "Geschichtsvergessenheit - Geschichtsversessenheit" beschreiben Sie das problematische Verhältnis der Deutschen zu ihrer Vergangenheit. Ist die Tatsache, dass nun ein Deutscher zum Papst gewählt wurde, ein Zeichen für die Rückkehr zur Normalität?

Aleida Assmann: Es gab für dieses Ereignis eine denkbar merkwürdige Überschrift in der Bild-Zeitung: "Wir sind Papst!" Hinter diesem Satz steckt eine Formulierung, die plausibler ist: "Wir sind Weltmeister!" Das ist ein Satz aus dem Vokabular des Nationalstolzes. Es zeigt eine neue Ambition einer Nation, die durch Negativerfahrungen geprägt ist und nun versucht, positive Erlebnisse dagegenzustellen. In diesem Fall denke ich, dass das Thema Normalität noch nicht Gegenwart geworden ist. Wir befinden uns vielmehr noch immer in einer posttraumatischen Zeit. Man sieht das an der Anormalität dieses Erinnerungsprozesses - Erinnerungen, die in die Ferne rücken, werden nicht blasser, sondern stärker. Das kann man nur aus einer gewissen Psychodynamik heraus erklären, die immer noch anhält - auch 60 Jahre nach dem Krieg. Die Jahre des Nationalsozialismus und des Krieges waren so etwas wie eine gestauchte Zeit, eine Zeit, die wie in einem Teleskop ineinandergeschoben war, wo sich ein entsetzliches Grauen entfaltet hat, das nicht sofort bearbeitet werden konnte. Es gab immer noch Tabuphasen von bestimmten Themen und eine lange Phase des Integrierens in Gesprächs- und Diskurszusammenhänge.

Aleida Assmann - "Martin Walser möchte die Schuldfrage ins Private delegieren." (Aleida Assmann) - © Jussi Puikkonen/KNAW
© Jussi Puikkonen/KNAW

"Martin Walser möchte die Schuldfrage ins Private delegieren." (Aleida Assmann)

DIE FURCHE: Die Sensibilität gegenüber der Geschichte ist in Deutschland und Österreich unterschiedlich groß. Ein aktueller Beleg dafür ist der Fall des FP-Bundesrates John Gudenus, der die Existenz der NS-Gaskammern in Frage gestellt hat. In Deutschland wäre ein solcher Politiker laut Standard-Autor Hans Rauscher "in einer Nanonsekunde" weg gewesen ...

Assmann: Wir haben im vergangenen Jahr einen ähnlichen Fall gehabt - den Fall Martin Hohmann (damals Bundestagsabgeordneter der cdu, Anm. d. Red.). Es ging um die Formulierung "Juden als Tätervolk": Diese ganz merkwürdige Umkodierung hat Hohmann im Blick auf Israel verwendet. Es war dies eine Formulierung, die alte Diskursschichten eines traditionellen, antisemitischen Arguments nach oben geholt hat. Reinhard Günzel, ein höherer General in der Bundeswehr, hat ihm dabei sekundiert. Daraufhin wurde Günzel von einem Tag auf den anderen von der Bundeswehr ausgeschlossen. Auch Hohmann musste gehen. Mit diesem Argument war er nicht länger haltbar. Das ging in der Tat "in Nanosekunden", obwohl die Diskussion dann zwei, drei Wochen angehalten hat.

Die Jahre des Krieges waren so etwas wie eine gestauchte Zeit, eine Zeit, die wie in einem Teleskop ineinandergeschoben war, wo sich ein entsetzliches Grauen entfaltet hat.

Aleida Assmann

DIE FURCHE: Manche Kritiker der deutschen Erinnerungspolitik behaupten, die Schoa werde zum "Gründungsmythos der Berliner Republik" gemacht. In Österreich gab es lange Zeit einen anderen Mythos - den, das erste Opfer Hitlers gewesen zu sein ...

Assmann: Die Erinnerungsgeschichte in Österreich ist sicher anders verlaufen, weil die unmittelbare Konfrontation mit der Schuld nicht von Anfang an im Mittelpunkt stehen musste. Man konnte sich über Jahrzehnte noch mit der Opferthese halten. Das ist übrigens eine Denkfigur, die auch in Deutschland eine große Rolle spielt: Das ganze Volk war das Opfer Hitlers, das ganze Volk ist verführt worden. Die Neigung von Tätern, sich als Opfer darzustellen, ist eine geradezu reflexartige Selbstschutzbehauptung. In diesem Sinn ist es auch wichtig, genau festzustellen, wo Opferthematiken wieder an die Oberfläche treten. Im Moment haben wir in Deutschland die Opferthematik ganz stark - aber von einer anderen Art: Hier geht es darum, auch an das Leid der Deutschen zu erinnern. Man denkt an Vertreibung und Bombenkrieg. Das hat aber noch nichts mit einer Revision der Geschichtskultur zu tun.

DIE FURCHE: Ein Beispiel dafür ist Günter Grass' Buch "Im Krebsgang" über den Untergang der "Wilhelm Gustloff" im Jänner 1945, bei dem tausende ostpreußische Flüchtlinge gestorben sind ...

Assmann: Richtig. Man streitet im Moment: War das ein Tabubruch oder nicht? Es gibt Leute, die sagen, das war kein Tabubruch. Auch das Thema Vertreibung hat es ja politisch schon in den 50er Jahren gegeben. Es gab den Bund der Vertriebenen, der sich sehr stark artikulieren konnte. Trotzdem denke ich, dass in diesem Thema noch ein Tabu-Anteil steckt und es auch nicht nur eine Frage von "Konjunkturen" ist, wie es der Historiker Norbert Frei ausdrückt. Seiner Meinung nach gebe es in einer Demokratie keine Tabus, sondern nur Konjunkturen. Das Thema Vertreibung war jedenfalls nicht zu allen Zeiten ansprechbar. Und dadurch, dass eine kleine Fraktion das politisierte und gleichzeitig sehr revanchistisch gegen die Ostpolitik und die Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze argumentierte, war das für die anderen umso weniger ansprechbar. Es gab also durchaus Gedächtnisrahmen, die es verunmöglichten, über all diese Geschichten offen zu sprechen. Inzwischen sind wir aber so offen, dass wir eine größere Bereitschaft haben, all diese Geschichten mit Empathie anzuhören.

Die Erinnerungsgeschichte in Österreich ist sicher anders verlaufen, weil die unmittelbare Konfrontation mit der Schuld nicht von Anfang an im Mittelpunkt stehen musste.

Aleida Assmann

DIE FURCHE: Trotzdem birgt der rechte Umgang mit der Vergangenheit in Deutschland noch immer Sprengstoff: Man denke an die Debatte um den Schriftsteller Martin Walser, der das persönliche Erinnern und öffentliche Gedenken strikt trennen möchte ...

Assmann: Walser möchte die Schuldfrage gerne ins Private delegieren. Damit soll sich jeder individuell auseinandersetzen, hat er gemeint (1998 in seiner Rede zur Verleihung des deutschen Friedenspreises in der Frankfurter Paulskirche, Anm. d. Red.). Seiner Ansicht nach ist das eine subjektive Angelegenheit der Einzelnen, die das in ihrem stillen Kämmerlein mit sich ausmachen sollten. Aber auf nationaler Ebene möchte er dieses Thema nicht behandelt sehen. Er spricht überall dort, wo wir nicht von "Ich", sondern von einem nationalen "Wir" sprechen, von einem "Denkmal der Schande" oder von einem "fußballfeldgroßen Albtraum" - und bezieht sich damit auf das Holocaust-Mahnmal in Berlin, das im Mai eingeweiht wird. Wo die Dimension der Nation als ein Kollektiv dargestellt wird, möchte er davon nichts wissen. Das soll im Sickerschacht des Privaten aufgehoben sein. Diese Haltung ist natürlich problematisch, wenn es darum geht, die Koordinaten einer politischen Erinnerungskultur aufzubauen, die auch für die nächsten Generationen verbindlich wird. Dann kann man das Erinnern nicht den einzelnen Individuen überlassen.

DIE FURCHE: Walser wendet sich vor allem gegen die Normierung der Geschichte in der Gegenwart ...

Assmann: Worin Walser Recht hat ist, dass man nicht seine eigenen Erinnerungen in dem Sinn umfälschen soll, dass sie akzeptabel werden. Damit ist überhaupt nichts gewonnen. Wir haben ja die Beispiele der Studie von Harald Welzer - "Opa war kein Nazi" -, wo wir sehen, wie problematisch es ist, wenn ein Geschichtsverständnis oder eine Identität auf einer umgefälschten Familiengeschichtserzählung aufgebaut wird. Man sieht daran auch, wie gefährlich die Diskrepanz ist zwischen dem, was in den Familien tradiert wird, und dem, was im öffentlichen Rahmen erklärt wird. Diese Diskrepanz führt aber zu einer Hohlheit der Gedenkrituale: Diese Jahrestage sind oft so abgehoben, dass es keine Bereitschaft gibt, mitzugehen. Das kann man verbessern, wenn man versucht, diese Diskrepanz aufzuheben - durch die Lockerung von Tabus.

Holocaust Mahnmal Berlin_Erinnerung - Das neue Holocaust-Mahnmal in Berlin mit seinen 2751 Beton-Stelen - für Martin Walser ein "Denkmal der Schande" - wird am 10. Mai eingeweiht. - © Jace & Afsoon / Unsplash
© Jace & Afsoon / Unsplash

Das neue Holocaust-Mahnmal in Berlin mit seinen 2751 Beton-Stelen - für Martin Walser ein "Denkmal der Schande" - wird am 10. Mai eingeweiht.

DIE FURCHE: Das Gegenteil von "Opa war kein Nazi!" findet man in der anklagenden Vaterliteratur, wo es heißt: "Papa, was hast du damals gemacht?". Ihrer Meinung nach hat sich diese Vaterliteratur später zum entkrampfteren Familienroman gewandelt. Wann ist diese Wende passiert?

Assmann: Diese Wende hat auch etwas mit der politischen Wende zu tun. Die politischen Ereignisse sind zwar nicht immer im Gleichklang mit den politischen Rhythmen, aber es ist durchaus so, dass die Nachwende-Generation ein neues Verhältnis zu der deutschen Geschichte gewonnen hat. Es ist interessant, dass auch die ostdeutschen Autoren an dieser Literatur mitschreiben. So sehr es etwa in Österreich Beispiele für Vaterliteratur gegeben hat - ich denke nur an Peter Henisch ("Die kleine Figur meines Vaters", Anm. d. Red.) -, so wenig konnte man in der DDR diese Literatur finden. Dort hat der Staat selbst das ganze Potenzial des Protests und des Aufbruchs verkörpert. Die ältere Generation konnte man gar nicht anklagen, denn der Staat hatte alle diese Energien für sich absorbiert. Durch die Wende kamen dann zwei Geschichtspolitiken zusammen, deshalb musste eine neue Erzählung generiert werden. Das hat die Integration der Geschichtsperspektive möglich gemacht. Es war plötzlich nötig, von dieser bipolaren Situation zwischen Vätern und Kindern, die eigentlich auf eine Momentaufnahme ausgerichtet ist, wegzukommen. Hier ging es ja immer um den Abschied vom Vater: Der Tod des Vaters ist der Auslöser, und dann geht man in die Vergangenheit zurück und fängt den Dialog wieder an, der aber nicht mehr wiederholbar ist ...

DIE FURCHE: ... oder gar nie stattgefunden hat ...

Assmann: Genau. Hier gibt es oft eine Schweigesituation. In den Opferfamilien ist das vollkommen anders. Hier haben die Überlebenden selbst - meistens kurz vor ihrem Tod - ein ganz großes Bedürfnis, sich mitzuteilen: Sie schreiben Bücher, machen Videozeugnisse. Auf der Täterseite haben wir nichts - nur das Schweigen. Und dieses Schweigen ist der Anstoß für die alleingelassene zweite Generation, sich damit auseinanderzusetzen. In dem Maß, wie diese Generation aus der Phase der rebellischen Jugend herauswächst, sieht sie ihr ganzes Leben in einer anderen Perspektive; so wie sich ihr Blick auf ihre Lebensgeschichte verlängert, verlängert sich auch das historische Bewusstsein bis in die Kriegszeit hinein. Die 68er, die zuvor rebelliert haben, sehen sich dann auch als Kriegskinder, sie sind eingeschlossen in diese Geschichte - und nicht nur die Ankläger. So wichtig es war, was sie angestoßen haben - die Geschichtsforschung hat ja erst in den 60er und 70er Jahren intensiv begonnen -, so sehr ist auch vieles verloren gegangen, was an Erzählung möglich gewesen wäre.

Wenn Zeitzeugen in die Schule kommen, dann gibt es niemanden, der sagt: "Davon will ich aber nichts hören!"

Aleida Assmann

DIE FURCHE: Lässt sich aus der Sehnsucht dieser Generation, das Verlorengegangene zu heben, auch das enorme Interesse an psychotherapeutischen Methoden wie der Familienaufstellung erklären? Schließlich werden hier Verstrickungen in einem Familiensystem mit Hilfe von Repräsentanten dargestellt?

Assmann: Möglicherweise. Neu und wichtig an dieser Methode ist ja, dass sich hier der Fokus und der Zeitrahmen, den man ins Bewusstsein zurückholt, enorm verlängert. Es ist ja massiv nachweisbar, dass die toten Familienangehörigen dazugehören, dass sie weiterhin im Kopf und in der Seele repräsentiert sind, als Repräsentanten einen starken Einfluss auf die Individuen ausüben und nachhaltige Verformungen bewirken können, weil auch Aufgaben der einen, die unerfüllt blieben, an die anderen weitergegeben werden. Diese Dinge werden in der Familienaufstellung symbolisiert, es wird also eine Sprache oder Form gefunden, um sie aus der Vergangenheit in die Gegenwart zu holen und ansprechbar zu machen. Denn nur in der Gegenwart kann man auf die Vergangenheit einwirken. Hier hat der Gedächtnissoziologe Maurice Halbwachs Recht: Die Vergangenheit selbst ist nicht veränderbar, aber wenn man sie in der Gegenwart präsent macht, kann man etwas bewegen. Schon das Zursprachebringen dieser unausgesprochenen, bedrückenden Elemente scheint ein Teil der Therapie zu sein.

DIE FURCHE: Neben dem Bedürfnis nach Aufarbeitung der eigenen Geschichte gibt es aber nach Aussage mancher Lehrerinnen und Lehrer unter den Jugendlichen auch ein Gefühl der Sättigung, was das offizielle Gedenken betrifft. Soll man dafür Verständnis zeigen - oder sich Sorgen machen?

Assmann: Mit einer Pädagogik, die gegen einen Überdruss angeht, ist nichts gewonnen. Man muss zuerst diesen Überdruss analysieren. Vieles davon ist inzwischen auch ein gemachter Reflex. Wenn man mit den Jugendlichen selber spricht, ist der Satz "Davon wollen wir nichts hören" keineswegs eine generationstypische Haltung. Ich sehe das auch an meinen eigenen fünf Kindern: Immer wenn es eine neue Form der Verarbeitung gibt, fangen sie an, sich damit auseinanderzusetzen. Es ist ja auch die Aufgabe der Künstler, immer neue Verarbeitungswege zu finden. Jetzt gibt es etwa einen neuen Film des Dokumtarfilmers Malte Ludin - "2 oder 3 Dinge, die ich von ihm weiß" (ab 13. Mai im Wiener Topkino, Anm. d. Red.). Darin erzählt er seine eigene Familiengeschichte, die eine Tätergeschichte ist. Das Interessante ist ja nicht, dass wir - wie die Historiker - rekonstruieren, was damals geschehen ist. Interessant ist vielmehr, dass die Geschichte nicht abgeschlossen ist, sondern in der Familiengeschichte eine Nachgeschichte hat. Deshalb ist es den Kindern auch leicht plausibel zu machen, dass das Argument "Das war ja alles damals und geht uns nichts mehr an" nicht sticht. Wenn etwa Zeitzeugen in die Schule kommen, dann gibt es niemanden, der sagt: "Davon will ich nichts hören!"

DIE FURCHE: Diese Zeitzeugen gibt es aber nicht mehr lange ...

Assmann: Natürlich: Aber dann gibt es die Zeitzeugen der zweiten Kategorie - das sind jene, die die Zeitzeugen noch kannten. Wir haben es hier ja nicht mit einem abrupten Wechsel zu tun, sondern mit einer allmählichen Entzogenheit. Die vielen Filme und Videozeugnisse, die es gibt, und die neuen Suchbewegungen der Jüngeren und Jüngsten zeigen jedenfalls, dass dieses Thema noch lange nicht abgeschlossen ist.

Aleida Assmann - © Jussi Puikkonen/KNAW

Kulturen, Kinder und Karriere

Aleida Assmann

"Man muss sich von Zuhause wegbewegen. Das ist schmerzhaft, aber wichtig." Aleida Assmanns Rezept gegen Vorurteile ist simpel - und selbst erprobt: 1947 geboren, studierte sie Anglistik und Ägyptologie in Heidelberg und Tübingen. Gemeinsam mit ihrem Mann, dem Kulturwissenschafter Jan Assmann, hielt sie sich lange Zeit zu Ausgrabungsarbeiten in Luxor auf. Nach weiteren Aufenthalten in Israel und den USA wurde die fünffache Mutter - "Ich habe mich mit meinen Büchern immer mitten ins Kinderzimmer gesetzt" - 1993 auf den Lehrstuhl für Anglistik und Allgemeine Literaturwissenschaft an der Universität Konstanz berufen. Im Mittelpunkt ihrer Forschungsarbeit stehen Fragen des kulturellen Gedächtnisses - ebenso wie in ihrem Buch "Geschichtsvergessenheit - Geschichtsversessenheit. Vom Umgang mit deutschen Vergangenheiten nach 1945" (Deutsche Verlags-Anstalt 1999).

Um "Geschichte, Gedächtnis, Identität" geht es auch in jener (öffentlich zugänglichen) Vorlesungsreihe an der Universität Wien, die Assmann ab 6. Juni 2005 im Rahmen der Sir Peter Ustinov Professur der Stadt Wien zur Erforschung und Bekämpfung von Vorurteilen halten wird (Informationen unter www.ustinov.at).

"Man muss sich von Zuhause wegbewegen. Das ist schmerzhaft, aber wichtig." Aleida Assmanns Rezept gegen Vorurteile ist simpel - und selbst erprobt: 1947 geboren, studierte sie Anglistik und Ägyptologie in Heidelberg und Tübingen. Gemeinsam mit ihrem Mann, dem Kulturwissenschafter Jan Assmann, hielt sie sich lange Zeit zu Ausgrabungsarbeiten in Luxor auf. Nach weiteren Aufenthalten in Israel und den USA wurde die fünffache Mutter - "Ich habe mich mit meinen Büchern immer mitten ins Kinderzimmer gesetzt" - 1993 auf den Lehrstuhl für Anglistik und Allgemeine Literaturwissenschaft an der Universität Konstanz berufen. Im Mittelpunkt ihrer Forschungsarbeit stehen Fragen des kulturellen Gedächtnisses - ebenso wie in ihrem Buch "Geschichtsvergessenheit - Geschichtsversessenheit. Vom Umgang mit deutschen Vergangenheiten nach 1945" (Deutsche Verlags-Anstalt 1999).

Um "Geschichte, Gedächtnis, Identität" geht es auch in jener (öffentlich zugänglichen) Vorlesungsreihe an der Universität Wien, die Assmann ab 6. Juni 2005 im Rahmen der Sir Peter Ustinov Professur der Stadt Wien zur Erforschung und Bekämpfung von Vorurteilen halten wird (Informationen unter www.ustinov.at).