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Verschanztes Leben

FOKUS
Fontana - © Foto: Fontana

Luxus-Wohnanlage: Außen Oberwaltersdorf, innen Fontana

1945 1960 1980 2000 2020

Der Fontana-Wohnpark in Niederösterreich gilt als eine der luxuriösesten Wohnanlagen Österreichs. Wer hier leben will, braucht viel Geld. Aufgrund der Pandemie wirken der Strand, der Golfplatz und das Restaurant jedoch etwas verwaist. Ein Ort wie aus einer anderen Welt.

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Der Fontana-Wohnpark in Niederösterreich gilt als eine der luxuriösesten Wohnanlagen Österreichs. Wer hier leben will, braucht viel Geld. Aufgrund der Pandemie wirken der Strand, der Golfplatz und das Restaurant jedoch etwas verwaist. Ein Ort wie aus einer anderen Welt.

Es ist der „schönste Fleck im Industrieviertel“ – so nennt Manfred Juraczka den Fontana-Wohnpark in Oberwaltersdorf südlich von Wien. Wer den Blick von hier in die Ferne schweifen lässt, sieht im Hintergrund den Schneeberg in der Totale. Im Vordergrund: Speichersilos, Logistikzentren und Stromleitungen. Und mittendrin: ein Golfplatz – dieser Tage eine Baustelle –, ein derzeit verwaistes schickes Clubhaus mit hohen Fensterbögen samt Terrasse mit Blick auf einen türkisblauen See, Tennisplätze und ein Sandstrand. In Summe die Atmosphäre eines Urlaubsresorts, einer Ferienanlage mit etwas zu groß geratenen Bungalows. All das aber mitten im Speckgürtel Wiens. Und genau das will der Park auch nach den Worten von Juraczka, ehemals Landesparteiobmann der ÖVP Wien und heute Landtagsab- geordneter und Gemeinderat, sein.

Juraczka ist Geschäftsführer des Parks. Eigentümer des ganzen Areals ist Siegfried Wolf, der im Magna-Imperium aufgestiegene und heute im Aufsichtsrat der russischen Sberbank Europa AG sitzende Manager. Wenn man Juraczka fragt, wieso denn diese Wohnanlage ausgerechnet hier auf einem Acker unweit der A2 in der Ebene zwischen der Hauptstadt und dem Burgenland errichtet wurde, dann lacht er, erwähnt den wunderbaren Blick auf den Schneeberg, die Terrasse, den See, den Golfplatz, die gute Verkehrsanbindung. Für Menschen, die viel zu tun hätten im Berufsleben und sich hier niederließen, um ausspannen zu können vom stressigen Berufsalltag – und die auch genug verdienen würden, um sich das leisten zu können, sei eben alles hier. Niemand werde ausgesperrt Juraczka legt dabei vor allem auf eines Wert: Eine „Gated Community“, also eine umzäunte Wohnanlage, das sei der Fontana-Wohnpark keinesfalls. Und auch kein Reichenghetto. Man legt Wert auf die Feststellung, dass es sich bei den Straßen etwa um Gemeindestraßen handle, dass jeder Zutritt habe, dass niemand ausgesperrt werde. „Wir fahren mit der offenen Variante gut, wir haben kein Sicherheitsproblem und daher auch keine Notwendigkeit, das Areal abzusperren“, sagt Juraczka.

Anfangs, so sagt er dann aber doch, sei es schon so gewesen: „Da Oberwaltersdorf, hier Fontana.“ Heute sei das aber nicht mehr so. Von der A2-Abfahrt Traiskirchen nach Oberwaltersdorf: links Schotterteichsiedlungen und Reihenhausanlagen, rechts ein langer Zaun. Ein sehr langer. Dahinter ein Golfrasen. Am Ortseingang ein Kreisverkehr. Auf der linken Seite die lokale Dienst stelle des Roten Kreuzes und ein kleines Einkaufszentrum samt Supermarkt, Trafik und Asia-Restaurant. Gleich dahinter liegen sie, die klassischen Südwiener Häuselbauerträume im Fertigteil- und Reihenhausformat auf dem flachen Acker, geradeaus geht es in den Ort und rechts über eine gepflasterte Schwelle, eine Art kleine Brücke, durch ein Wäldchen in den Park.

Eine symbolische Barriere. In der Trafik sagt die Verkäuferin – auf das für einen Ort wie Oberwaltersdorf auffallend breite Zigarrenangebot angesprochen – nur: „Jaja eh“, macht eine Kopfbewegung in Richtung der anderen Seite des Kreisverkehrs und packt Kassazettel weg. Dort gegenüber biegt sie ab, die einzige Zufahrtsstraße zum Fontana-Park. Sie führt vorbei an Tennisplätzen zum See. Rechts liegen Golfplatz und Clubhaus, links die Siedlung. Rund 300 Wohneinheiten sind bewohnt in dem Park.

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