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Gesellschaft

Mit dem Zeugnis beginnt die Zukunft

1945 1960 1980 2000 2020

Kinder wollen Noten - auch wenn das manchen Lehrern nicht in das zeitpädagogische Konzept paßt. Diese Position vertritt jedenfalls der Autor des folgenden Beitrages.

1945 1960 1980 2000 2020

Kinder wollen Noten - auch wenn das manchen Lehrern nicht in das zeitpädagogische Konzept paßt. Diese Position vertritt jedenfalls der Autor des folgenden Beitrages.

Das Szenario wiederholt sich mit schöner Regelmäßigkeit Jahr für Jahr zum Schulschluß. Obwohl rund um die Schule ein gnadenloser Kampf nach den Grundprinzipien der Konkurrenz- und Leistungsgesellschaft tobt, wird schulische Leistungsbewertung mit Noten wiederholt in Frage gestellt. Das Spektrum medialer Äußerungen ist breit gefächert: "Schule ohne Noten!", "Der ,Fleck' muß weg!", "Die bösen Fünfer", "Noten nur ja nicht überbewerten!" "Statt Noten verbale Beurteilung.", "Kein Sitzenbleiben mehr!"... - so lauten die Titelzeilen Jahr für Jahr.

Den Startschuß zur heurigen Notendiskussion hat kürzlich die Arbeiterkammer gegeben. Über das Ifes-Institut hatte sie berufstätige (!) Eltern fragen lassen, ob sie ein automatisches Aufsteigen ihrer Kinder mit einem Nichtgenügend wünschen. Und - wen wundert das Ergebnis? - zwei Drittel wünschen sich das.

Immer dann, wenn mit Schulschluß und Zeugnistag an die 70.000 "Nichtgenügend" die Zeugnisse österreichischer Schüler verunzieren, haben auch die Kinder- und Elternbeschwichtiger vom Dienst wieder Hochsaison: "Kinder sind wichtiger als Noten!" und "Die Schule ist nicht alles!", so lauten ihre Botschaften. Eltern werden gemahnt, das, was in den Zeugnissen steht, doch nicht so wichtig zu nehmen. "Nur ja keine Panik! - Viele bedeutende Mitbürger haben es schließlich trotz Fünfern in der Schule im Leben zu etwas gebracht ..." und ähnliches.

In Zeiten, in denen der junge Mensch ohne Matura scheinbar nichts mehr zählt, weil alle einem überzogenen Qualifizierungsfimmel huldigen, sind derartige Appelle nicht nur naiv-hilflose Beschwichtigungsversuche. Eher handelt es sich dabei schon um eine besonders joviale Spielart des Nicht-Ernstnehmens von Schüler- und Elternsorgen. Schließlich haben im Vorjahr mehr als 40.000 Schüler das Klassenziel nicht erreicht. Gefrotzelt müssen sich aber vor allem jene Schüler vorkommen, die trotz guten Notendurchschnitts und fleißigen Lernens von weiterführenden Schulen abgewiesen wurden, weil kein Platz mehr frei ist. Der Zehnjährige, der trotz guter Noten mit dem Warteplatz für die AHS vertröstet wird, ist schließlich kein Einzelfall! Wegen der verschärften Auslese sind Noten so wichtig wie noch nie. Schließlich - diese Erfahrung berichten Schulpraktiker immer wieder - Kinder wollen Noten! Auch wenn dies manchem Lehrer absolut nicht ins zeitgeistpädagogische Konzept paßt: Die ausgefeilteste verbale Beurteilung und die noch so aufwendige Beschreibung ihres Leistungsstandes wollen sie mit der unprätentiösen Frage auf den Punkt gebracht haben: "... und was wäre das für eine Note?" Man kann das nicht als kindlichen Quantifizierungsfimmel abtun, denn auch Kinder haben schon eine Ahnung vom Stellenwert schulischer Notengebung.

Zynische Appelle Angesichts des tatsächlichen Stellenwertes der Schulnoten wirkt der Appell, Zeugnisse auf die leichte Schulter zu nehmen, zynisch. Denn die Beurteilung schulischer Leistung nach einer Ziffernskala erfüllt in der Praxis nach wie vor vielfältige wichtige Funktionen, nämlich: * die Klassifikations- und Selektionsfunktion, * die Berichts- und Informationsfunktion, * die Motivierungsfunktion * und Disziplinierungsfunktion.

Im Vordergrund steht die Klassifizierungs- und Selektionsfunktion der Schulnoten. Noten sind Weichensteller für Bildungs- und Lebenschancen. Das macht die "Härte" der Notengebung aus, aber keine Ausbildungsinstitution kommt darum herum, diese Funktion zu erfüllen, wie immer ihre Beurteilungsinstrumente letzten Endes aussehen.

Das Problem sind nicht die Noten an sich, sondern ob die Leistungsbeurteilung gerecht ist. Nur wenn die Kriterien, an denen die Leistung gemessen wird, gültig und objektiv überprüfbar sind, macht Klassifikation Sinn. Sie ist dann wichtiger Anhaltspunkt für Entscheidungen, wenn es etwa um die richtige Wahl von schulischen Fördermaßnahmen oder der Schullaufbahn des Kindes geht.

Ähnlich verhält es sich mit der Berichts- und Informationsfunktion der Note. Schüler und Eltern sollen über den jeweiligen Leistungsstand informiert werden. Es liegt auf der Hand, daß eine Note diese Funktion verliert, wenn der Schüler ständig nur die schlechtesten Noten nach Hause bringt. Dann wird die Berichtsfunktion im Grunde aufgegeben und die Note wirkt nur noch belastend auf das Selbstwertgefühl des Kindes und die Beziehung des Kindes zu seinen Eltern.

Es fragt sich, ob die Note auch Motivierungsfunktion hat oder haben soll. Als Zielsetzung positiver Lernprozesse wird aus lernpsychologischer Sicht die intrinsische Motivation des Schülers gesehen, das heißt, der Schüler soll nicht wegen einer guten Note lernen, sondern aus Interesse am Inhalt. Notengebung - so die Kritiker - fördere dagegen die extrinsische Motivation und damit ein einseitig-fremdbestimmtes Lernen zugunsten der Note oder einer Belohnung.

Besonders umstritten ist die Disziplinierungsfunktion von Schulnoten. Bewertung soll schließlich nicht vom Wohlverhalten des Schülers dem Lehrer gegenüber abhängen oder davon, ob (beispielsweise bei Aufsätzen) die Meinung des Lehrers wiedergegeben wird.

Auch ist es ein klarer Mißbrauch der Note, wenn versucht wird, damit das "Benehmen" des Schülers zu steuern. Die in Deutschland aufgeflammte Diskussion um die Wiedereinführung der "Kopfnote" (Betragen, Fleiß) soll die Disziplierungsfunktion - sofern sie durch Noten überhaupt sinnvoll ist - von allen anderen Zeugnisnoten abspalten.

Bei aller grundsätzlichen Befürwortung der Notwendigkeit von Noten ist der Glaube an ihre völlige Gerechtigkeit und Objektivität ein Mythos. Am Beispiel der Aufsatzbewertung wurde dies in umfangreichen empirischen Untersuchungen nachgewiesen: Der gleiche Aufsatz erhielt von verschiedenen Lehrern höchst unterschiedliche Noten. Zudem muß eingewendet werden, daß Schulnoten - wie jegliche Bewertung menschlicher Leistungen auch außerhalb der Schule - fatale Nebenwirkungen haben können, nämlich: * gute Noten machen selbstzufrieden, schlechte Noten entmutigen, * statt Teamgeist zu entwickeln, entsteht im Klassenraum eine Ellenbogengesellschaft und * das Ziel von Schule verschiebt sich vom Lernen der Sache wegen hin zum Lernen der Noten wegen.

"Auslese"-Funktion Schulnoten waren schon immer mit vielen pädagogischen Fragezeichen versehen. Diese Erkenntnis kann aber nicht dazu führen, sie grundsätzlich abzulehnen. Auch die Schule der Gegenwart kann nicht ohne Noten auskommen! Dies umso mehr, als der Zeugnisfünfer für die gegenwärtige Schülergeneration richtigerweise viel von seiner Endgültigkeit verloren hat. Mittels gesetzlicher Regelungen ist längst eine regelrechte Fünfer-Abwehrmaschinerie installiert worden. Sie ermöglicht das Aufsteigen mit einem oder zwei Nichtgenügend und zwar mit oder ohne Wiederholungsprüfung, das Recht der Einsichtnahme in Prüfungsarbeiten. Es gibt Beschwerde- und Berufungsmöglichkeiten quer durch alle Instanzen, viele Lehrer hüten sich vor dem Nicht-genügend.

Zeugniszensuren haben erfreulicherweise nicht nur viel von ihrem schicksalhaften Urteilscharakter verloren, die schulische Leistungsbeurteilung ist auch transparenter und nachvollziehbarer geworden. Aber die grundsätzliche Problematik, menschliche Leistungen in ein Zahlenschema zu pressen, ist den Lehrern ebenso geblieben, wie die schwierigen Entscheidungen, die mit der Auslese von Schülern verbunden sind.

Bei aller Relativierung von Schulnoten ist vor Beschwichtigung zu warnen. Abseits von Panikmache plädiere ich dafür, Noten - auch schlechte Noten - wirklich ernst zu nehmen. Noten sind in erster Linie Rückmeldungen über die eigenen Leistungen des Schülers. Sicherlich sollten Eltern auf allfällige Klagen des Kindes über Lehrer eingehen.

Vielleicht tun sie aber gut daran, dies mit Bestimmtheit erst dann zu tun, wenn der Eigenanteil des Kindes am Zustandekommen seiner Note ausführlich geklärt ist.

Das mag hart klingen, kann aber möglicherweise dazu beitragen, mit dem eigenen Leistungsproblem konstruktiver umzugehen. So paradox es klingen mag, aber es sind mitunter gerade die schlechten Noten, an denen Kinder Wichtiges fürs "wirkliche" Leben lernen: Nicht in Panik nach einem Schuldigen suchen, sondern von dem ausgehen, was wirklich ist. Der Fünfer ist Ausgangspunkt für das gemeinsame Erarbeiten des weiterführenden Lernweges; mit dem Zeugnis hat die Zukunft bereits begonnen!

Der Autor ist Psychologe und Psychotherapeut in Innsbruck.

Das Szenario wiederholt sich mit schöner Regelmäßigkeit Jahr für Jahr zum Schulschluß. Obwohl rund um die Schule ein gnadenloser Kampf nach den Grundprinzipien der Konkurrenz- und Leistungsgesellschaft tobt, wird schulische Leistungsbewertung mit Noten wiederholt in Frage gestellt. Das Spektrum medialer Äußerungen ist breit gefächert: "Schule ohne Noten!", "Der ,Fleck' muß weg!", "Die bösen Fünfer", "Noten nur ja nicht überbewerten!" "Statt Noten verbale Beurteilung.", "Kein Sitzenbleiben mehr!"... - so lauten die Titelzeilen Jahr für Jahr.

Den Startschuß zur heurigen Notendiskussion hat kürzlich die Arbeiterkammer gegeben. Über das Ifes-Institut hatte sie berufstätige (!) Eltern fragen lassen, ob sie ein automatisches Aufsteigen ihrer Kinder mit einem Nichtgenügend wünschen. Und - wen wundert das Ergebnis? - zwei Drittel wünschen sich das.

Immer dann, wenn mit Schulschluß und Zeugnistag an die 70.000 "Nichtgenügend" die Zeugnisse österreichischer Schüler verunzieren, haben auch die Kinder- und Elternbeschwichtiger vom Dienst wieder Hochsaison: "Kinder sind wichtiger als Noten!" und "Die Schule ist nicht alles!", so lauten ihre Botschaften. Eltern werden gemahnt, das, was in den Zeugnissen steht, doch nicht so wichtig zu nehmen. "Nur ja keine Panik! - Viele bedeutende Mitbürger haben es schließlich trotz Fünfern in der Schule im Leben zu etwas gebracht ..." und ähnliches.

In Zeiten, in denen der junge Mensch ohne Matura scheinbar nichts mehr zählt, weil alle einem überzogenen Qualifizierungsfimmel huldigen, sind derartige Appelle nicht nur naiv-hilflose Beschwichtigungsversuche. Eher handelt es sich dabei schon um eine besonders joviale Spielart des Nicht-Ernstnehmens von Schüler- und Elternsorgen. Schließlich haben im Vorjahr mehr als 40.000 Schüler das Klassenziel nicht erreicht. Gefrotzelt müssen sich aber vor allem jene Schüler vorkommen, die trotz guten Notendurchschnitts und fleißigen Lernens von weiterführenden Schulen abgewiesen wurden, weil kein Platz mehr frei ist. Der Zehnjährige, der trotz guter Noten mit dem Warteplatz für die AHS vertröstet wird, ist schließlich kein Einzelfall! Wegen der verschärften Auslese sind Noten so wichtig wie noch nie. Schließlich - diese Erfahrung berichten Schulpraktiker immer wieder - Kinder wollen Noten! Auch wenn dies manchem Lehrer absolut nicht ins zeitgeistpädagogische Konzept paßt: Die ausgefeilteste verbale Beurteilung und die noch so aufwendige Beschreibung ihres Leistungsstandes wollen sie mit der unprätentiösen Frage auf den Punkt gebracht haben: "... und was wäre das für eine Note?" Man kann das nicht als kindlichen Quantifizierungsfimmel abtun, denn auch Kinder haben schon eine Ahnung vom Stellenwert schulischer Notengebung.

Zynische Appelle Angesichts des tatsächlichen Stellenwertes der Schulnoten wirkt der Appell, Zeugnisse auf die leichte Schulter zu nehmen, zynisch. Denn die Beurteilung schulischer Leistung nach einer Ziffernskala erfüllt in der Praxis nach wie vor vielfältige wichtige Funktionen, nämlich: * die Klassifikations- und Selektionsfunktion, * die Berichts- und Informationsfunktion, * die Motivierungsfunktion * und Disziplinierungsfunktion.

Im Vordergrund steht die Klassifizierungs- und Selektionsfunktion der Schulnoten. Noten sind Weichensteller für Bildungs- und Lebenschancen. Das macht die "Härte" der Notengebung aus, aber keine Ausbildungsinstitution kommt darum herum, diese Funktion zu erfüllen, wie immer ihre Beurteilungsinstrumente letzten Endes aussehen.

Das Problem sind nicht die Noten an sich, sondern ob die Leistungsbeurteilung gerecht ist. Nur wenn die Kriterien, an denen die Leistung gemessen wird, gültig und objektiv überprüfbar sind, macht Klassifikation Sinn. Sie ist dann wichtiger Anhaltspunkt für Entscheidungen, wenn es etwa um die richtige Wahl von schulischen Fördermaßnahmen oder der Schullaufbahn des Kindes geht.

Ähnlich verhält es sich mit der Berichts- und Informationsfunktion der Note. Schüler und Eltern sollen über den jeweiligen Leistungsstand informiert werden. Es liegt auf der Hand, daß eine Note diese Funktion verliert, wenn der Schüler ständig nur die schlechtesten Noten nach Hause bringt. Dann wird die Berichtsfunktion im Grunde aufgegeben und die Note wirkt nur noch belastend auf das Selbstwertgefühl des Kindes und die Beziehung des Kindes zu seinen Eltern.

Es fragt sich, ob die Note auch Motivierungsfunktion hat oder haben soll. Als Zielsetzung positiver Lernprozesse wird aus lernpsychologischer Sicht die intrinsische Motivation des Schülers gesehen, das heißt, der Schüler soll nicht wegen einer guten Note lernen, sondern aus Interesse am Inhalt. Notengebung - so die Kritiker - fördere dagegen die extrinsische Motivation und damit ein einseitig-fremdbestimmtes Lernen zugunsten der Note oder einer Belohnung.

Besonders umstritten ist die Disziplinierungsfunktion von Schulnoten. Bewertung soll schließlich nicht vom Wohlverhalten des Schülers dem Lehrer gegenüber abhängen oder davon, ob (beispielsweise bei Aufsätzen) die Meinung des Lehrers wiedergegeben wird.

Auch ist es ein klarer Mißbrauch der Note, wenn versucht wird, damit das "Benehmen" des Schülers zu steuern. Die in Deutschland aufgeflammte Diskussion um die Wiedereinführung der "Kopfnote" (Betragen, Fleiß) soll die Disziplierungsfunktion - sofern sie durch Noten überhaupt sinnvoll ist - von allen anderen Zeugnisnoten abspalten.

Bei aller grundsätzlichen Befürwortung der Notwendigkeit von Noten ist der Glaube an ihre völlige Gerechtigkeit und Objektivität ein Mythos. Am Beispiel der Aufsatzbewertung wurde dies in umfangreichen empirischen Untersuchungen nachgewiesen: Der gleiche Aufsatz erhielt von verschiedenen Lehrern höchst unterschiedliche Noten. Zudem muß eingewendet werden, daß Schulnoten - wie jegliche Bewertung menschlicher Leistungen auch außerhalb der Schule - fatale Nebenwirkungen haben können, nämlich: * gute Noten machen selbstzufrieden, schlechte Noten entmutigen, * statt Teamgeist zu entwickeln, entsteht im Klassenraum eine Ellenbogengesellschaft und * das Ziel von Schule verschiebt sich vom Lernen der Sache wegen hin zum Lernen der Noten wegen.

"Auslese"-Funktion Schulnoten waren schon immer mit vielen pädagogischen Fragezeichen versehen. Diese Erkenntnis kann aber nicht dazu führen, sie grundsätzlich abzulehnen. Auch die Schule der Gegenwart kann nicht ohne Noten auskommen! Dies umso mehr, als der Zeugnisfünfer für die gegenwärtige Schülergeneration richtigerweise viel von seiner Endgültigkeit verloren hat. Mittels gesetzlicher Regelungen ist längst eine regelrechte Fünfer-Abwehrmaschinerie installiert worden. Sie ermöglicht das Aufsteigen mit einem oder zwei Nichtgenügend und zwar mit oder ohne Wiederholungsprüfung, das Recht der Einsichtnahme in Prüfungsarbeiten. Es gibt Beschwerde- und Berufungsmöglichkeiten quer durch alle Instanzen, viele Lehrer hüten sich vor dem Nicht-genügend.

Zeugniszensuren haben erfreulicherweise nicht nur viel von ihrem schicksalhaften Urteilscharakter verloren, die schulische Leistungsbeurteilung ist auch transparenter und nachvollziehbarer geworden. Aber die grundsätzliche Problematik, menschliche Leistungen in ein Zahlenschema zu pressen, ist den Lehrern ebenso geblieben, wie die schwierigen Entscheidungen, die mit der Auslese von Schülern verbunden sind.

Bei aller Relativierung von Schulnoten ist vor Beschwichtigung zu warnen. Abseits von Panikmache plädiere ich dafür, Noten - auch schlechte Noten - wirklich ernst zu nehmen. Noten sind in erster Linie Rückmeldungen über die eigenen Leistungen des Schülers. Sicherlich sollten Eltern auf allfällige Klagen des Kindes über Lehrer eingehen.

Vielleicht tun sie aber gut daran, dies mit Bestimmtheit erst dann zu tun, wenn der Eigenanteil des Kindes am Zustandekommen seiner Note ausführlich geklärt ist.

Das mag hart klingen, kann aber möglicherweise dazu beitragen, mit dem eigenen Leistungsproblem konstruktiver umzugehen. So paradox es klingen mag, aber es sind mitunter gerade die schlechten Noten, an denen Kinder Wichtiges fürs "wirkliche" Leben lernen: Nicht in Panik nach einem Schuldigen suchen, sondern von dem ausgehen, was wirklich ist. Der Fünfer ist Ausgangspunkt für das gemeinsame Erarbeiten des weiterführenden Lernweges; mit dem Zeugnis hat die Zukunft bereits begonnen!

Der Autor ist Psychologe und Psychotherapeut in Innsbruck.