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Pflegen in der Krise

Gesellschaft

Pflegesystem und Corona: Löcher-Stopf-Aktion

1945 1960 1980 2000 2020

Natürlich kann niemand innerhalb der Corona-Krise einen Quantensprung in puncto Pflegereform erwarten. Dennoch bleibt uns auch jetzt nicht erspart, das System massiv zu hinterfragen. Über eine Herausforderung, der wir uns als Gesellschaft zu stellen haben.

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Natürlich kann niemand innerhalb der Corona-Krise einen Quantensprung in puncto Pflegereform erwarten. Dennoch bleibt uns auch jetzt nicht erspart, das System massiv zu hinterfragen. Über eine Herausforderung, der wir uns als Gesellschaft zu stellen haben.

Nicht erst seit Ausbruch der Corona-Pandemie steht Österreichs Pflegesystem auf dem Prüfstand. Ähnlich wie beim Klimawandel wissen alle, dass ohne große Reform ein Kollaps drohen wird. Auch wenn sich Türkis-Grün im Regierungsprogramm ambitionierte Ziele gesetzt hat – die Pflegekraftlücke ist vor der Krise nicht ernsthaft angegangen worden und hat sich jetzt verschärft. Was wenig überraschend ist.

Derzeit wird die Schieflage noch über das hundert Millionen Euro schwere „Maßnahmenpaket für Ersatzbetreuungsangebote“ abgefedert – unter anderem werden Zivildiener zur Verstärkung in der Basisversorgung herangezogen (was ausgebildete Fachkräfte natürlich nicht annähernd ersetzen kann). Die Länder haben ihre mobilen Dienste ausgeweitet und aus Osteuropa (ausgenommen Rumänien) wurden via Luftbrücke Pflegerinnen für die 24-Stunden-Betreuung eingeflogen. Aber: Dass es sich dabei nur um eine klassische Löcher-Stopf-Aktion handelt, versteht sich von selbst. Ebenso, dass niemand innerhalb eines nationalen Ausnahmezustandes einen Quantensprung in puncto Pflegereform erwarten kann. Einen Paradigmenwechsel für die Zeit danach darf man aber sehr wohl erwarten. Es geht darum, das Imageproblem der Pflegebranche in den Griff zu kriegen.

Auf der Rangliste der Wunschberufe nimmt der Altenpfleger einen der letzten Plätze ein. Der Sektor ist für Berufseinsteiger reizlos. Natürlich könnten eine bessere Bezahlung und eine attraktivere Work-Life-Balance ein erster Schritt sein. Dennoch würden mehr Geld und Freizeit auch nicht dazu führen, dass die Pflegeheime von Bewerbern gestürmt werden. In Werbeagenturen, Künstlerateliers oder Yoga-Instituten sind die Gehälter auch mies und die Arbeitsbedingungen diffizil – trotzdem träumen genug junge Frauen und Männer davon, in diesen Bereichen Fuß zu fassen. Was machen diese Branchen besser? Ganz einfach: Sie stellen sich als hip und sinnstiftend dar. Viele glauben, wer dort arbeitet, entflieht dem gefürchteten Hamsterrad.