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Bronzen-Zeit

Meisterwerke aus dem Rijksmuseum Amsterdam im Liechtenstein Museum.

Die Geschichte der Bronzeskulptur vom beginnenden 15. bis zum ausgehenden 18. Jahrhundert ist derzeit im Liechtenstein Museum zu bewundern. Das Amsterdamer Rijksmuseum, bis 2009 wegen Umbau und Neustrukturierung geschlossen, zeigt hier Kunstwerke italienischer Meister, aber auch von Künstlern aus den Niederlanden und aus Deutschland. So entsteht ein spannender Dialog zwischen Nord und Süd.

Aus Nord und Süd

Eine geglückte Synthese der Kunst des Nordens und des Südens stellt auch die einzigartige "Taufgarnitur" von Ulrich Schönmacher dar - ein kostbarer Höhepunkt der Augsburger Silberschmiedekunst des 16. Jahrhunderts. Nach ihrem Kauf durch Fürst Hans-Adam II. und sorgfältiger Restaurierung ist sie im Saal V der Dauerausstellung jetzt erstmals einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich. Vier gegossene Medaillons mit Szenen aus dem Neuen Testament wurzeln in der deutschen bzw. niederländischen Kunst, die Form der Kanne hingegen geht, wie viele Ornamente, auf römische Vorbilder zurück. Die Antiken-Rezeption ist ein durchgängiges Thema der vielfältigen Schau im Liechtenstein Museum.

Antiken-Rezeption

Die Wiederentdeckung der Antike im Rom des 15. und 16. Jahrhunderts eröffnete vor allem der Skulptur völlig neue Dimensionen. Die ältesten Stücke der Ausstelllung sind zwei Bronzelöwen aus Venedig um 1400. Ebenfalls aus Venedig stammt der 156 cm hohe Kandelaber von Andrea del Verrocchio (1435-88) - er gehört zum Feinsten, was aus Bronze im 15. Jahrhundert gefertigt wurde.

Die Wurzeln des Bronzegusses in den Niederlanden veranschaulichen die zehn "Trauernden" des Grabmals der Isabella von Bourbon von Jean Delemer (Mitte 15. Jahrhundert) - Figuren, die mit den "Schwarzen Mandern" des Grabmals von Kaiser Maximilian I. in der Innsbrucker Hofkirche vergleichbar sind. Der "Hercules Pomarius" von Willem van Tetrode (1525-80) dokumentiert eindrucksvoll den Einfluss von Florenz.

Zwei Öllampen in Form von Phantasietieren sind die skurrilsten Stücke der Ausstellung. Die Bronzestatue des "Sol" von Johan Gregor van der Schardt hingegen entspricht der klassischen Personifizierung der Sonne im 16. Jahrhundert. Mit dem Pendant einer "Luna" war sie vermutlich Teil eines Tischbrunnens.

Kontext erlebbar

Wie schon bei den letzten Ausstellungen versteht es das Liechtenstein Museum auf faszinierende Weise, den dichten kulturellen Kontext der ausgestellten Werke durch Tapisserien und Bilder anschaulich zu machen; oft sind Motivparallelen zu entdecken. Auch dabei wird eine Neuerwerbung erstmals gezeigt: die Webung des Themas "Mars und Rhea Silvia" von Jan Raes von 1620 nach dem Entwurf von Peter Paul Rubens.

Immer wieder gibt es Bezüge zur Dauerausstellung: So inspirierte die ausdrucksstarke Figur des "Heiligen Sebastian" von Pietro Tacca (1577-1640) eine spätere Version aus der Mitte des 17. Jahrhunderts, die ständig im Palais Liechtenstein zu sehen ist.

Von innen gesehen

Eine völlig neue Technologie macht tiefe Einblicke in das Innenleben der Bronzen möglich. Mit Hilfe von Neutronenradiografie und-tomografie werden sie "virtuell aufgeschnitten" - das Ergebnis ist in einer englischsprachigen Filmdokumentation in der Ausstellung zu sehen.

Aus Vulkans Werkstatt

Liechtenstein Museum

Fürstengasse 1, 1090 Wien

www.liechtensteinmuseum.at

Tel. 01/3195767-252

7. 4.-3. 7. Fr-Mo 10-17 Uhr

Führungen zur Sonderausstellung: Sa 15 Uhr und So 11 Uhr

Ein umfangreicher Katalog in Englisch ist um e 18,-erhältlich.

Als Rahmenprogramm wird eine dreiteilige Vortragsserie veranstaltet.

Fresko restauriert

Mit der Eröffnung der Ausstellung "Aus Vulkans Werkstatt" wird auch das westliche Treppenhaus wieder zugänglich. Das Rottmayr-Fresko "Der Sturz der Giganten" wurde aufwändig restauriert, und so ist - erstmals seit 200 Jahren - das originale Freskenprogramm des Liechtensteinschen Sommerpalais in seiner Gesamtheit erlebbar. Seit der Wiederentdeckung dieser Fresken muss die Geschichte der österreichischen Deckenmalerei neu geschrieben werden. Der Dialog zwischen dem östlichen und dem westlichen Treppenhaus zeigt nun auch die Entwicklung von Johann Michael Rottmayr von der schweren, dunklen Farbpalette des Hochbarock hin zum hellen Götterhimmel des Rokoko (in der bereits 2004 restaurierten "Aufnahme des militärischen Genies in den Olymp" im östlichen Treppenhaus) .

Bild des Monats

Das Liechtenstein Museum wird seinem Publikum im Treppenhaus West jeweils ein durch Ankauf neu in die Sammlung gekommenes oder durch Restaurierung wieder hergestelltes Kunstwerk präsentieren. Den Anfang macht "Die unterbrochene Wallfahrt" (1853) von Ferdinand Georg Waldmüller - ein Bild, das Ende 2005 erworben werden konnte und nun nach seiner Reinigung erstmals der Öffentlichkeit gezeigt wird. Es ist eine Milieustudie, die die tiefe Religiosität der Landbevölkerung wie ihre mangelnde körperliche Konstitution infolge schlechter Ernährung ausdrückt. Das Gemälde zeigt Waldmüller auf der Höhe seines Könnens. Realismus und Expressivität machen es zu einem der faszinierendsten Bilder nicht nur Waldmüllers, sondern des österreichischen Biedermeier überhaupt.

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