Die Eröffnung des Liechtenstein-Museums ist bis ins letzte Detail perfekt geglückt.

Museumseröffnungen gab es die letzten Jahre in Wien zur Genüge. Von der Kritik ungeschoren kam dabei kaum ein Haus davon. Beim Museumsquartier stieß man sich an der bunkerartigen Ausstellungsarchitektur, an der Albertina verstörte die unsensible Restaurierung. Als aber Fürst Hans Adam II. und sein erster Mann im Haus, Johann Kräftner, am vorigen Freitag die internationale Presse ins Palais Liechtenstein zum Frühstück baten, wurde keine kritische Stimme laut. Zurecht. Denn die Wiedereröffnung des Museums in der Rossau ist bis ins letzte Detail perfekt geglückt. Die feinfühlige Restaurierung des Gartenpalais', die sinnliche, intelligente Hängung und die stringente Linie, das Haus als barocken Kontemplationstempel zu vermarkten, lassen so manches staatliche Museum hierzulande blass erscheinen.

Einmal mehr wird deutlich, wie wesentlich privates Mäzenatentum für die Kunst auch heute noch ist. Jenseits von politischen Machenschaften konnte hier eine Familie mit dem nötigen Kleingeld und einer historischen Kunstsammlung autonom agieren. Johann Kräftner zum Direktor zu ernennen, war eine ungewöhnliche, dafür aber umso bessere Entscheidung. Denn Kräftner war zwar als Architekturtheoretiker, Ausstellungsgestalter, Kunsthistoriker und Fotograf unter Insidern ein geschätzter Mann, der breiten Masse aber ein gänzlich Unbekannter, der wohl im Gerangel um die höchsten Posten bei politischen Entscheidungen aufgrund seiner seriösen Hintergrundarbeit keine Chance gehabt hätte.

Luftige Präsentation

Im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert gehörte das Gartenpalais in der Rossau zu den ersten öffentlich zugänglichen und beliebtesten Museen der Stadt, das in positiver Konkurrenz zu den alten kaiserlichen und späteren Bundesmuseen stand. Die Sammelleidenschaft der Familie Liechtenstein geht bis ins 17. Jahrhundert zurück; ihr wurde mit dem Zweiten Weltkrieg zunächst ein jähes Ende gesetzt. Nur durch Tricks gelang es der Familie 1945 die bedeutenden Kunstschätze nach Vaduz auszuführen, allerdings mussten wertvolle Bestände aufgrund der Besitzverluste verkauft werden. Erst mit dem wirtschaftlichen Aufschwung konnte ab den siebziger Jahren wieder Kunst angekauft werden, um so die Lücken wieder auszugleichen. Heute lagern in den Vaduzer Depots rund 1.600 Bilder und einige Hundert Skulpturen, Kunstkammerstücke und Möbel.

Etwa 15 Prozent des Bestandes warten jetzt auf die Besucher in Wien. Dabei überzeugt in allen Sälen die sorgfältige Auswahl und die luftige Präsentation. Die einzelnen Werke bleiben auch nach einem kurzen Besuch in Erinnerung, da hier ein dialogisches (und kein trocken-kunsthistorisches) Prinzip vorherrscht, bei dem einzelne Gemälde, Skulpturen und Möbel miteinander ein Gespräch führen und sich gegenseitig zur Wirkung verhelfen. Als angenehm erweist sich auch das Fehlen von Erklärungstexten neben den Bildern. Stattdessen erhält jeder Besucher ein kleines Büchlein mit Beschreibungen der einzelnen Objekte.

Herzstück Rubens

Gleich zu Beginn des Rundgangs ergänzen sich die Architektur des Hauses und die Präsentation der Objekte: In der prunkvollen Sala Terrena bewachen zwei Skulpturen des Bildhauers Mollinarolo den legendären "Goldenen Wagen" des Fürsten Joseph Wenzel von Liechtenstein. Der Weg führt weiter in eine Welt von Gestern - in die klassizistische Bibliothek, die mit wechselnden Grafikausstellungen, Kammerkonzerten und Lesungen bespielt wird. Im Erdgeschoss befindet sich auch das ehemalige "Damenappartement" - eine Folge von drei Räumen, die ebenfalls für Wechselausstellungen zur Verfügung stehen. Zur Eröffnung gibt es hier Biedermeier- und Klassizismuswerke vom Feinsten zu sehen. Besonders dem Charme der Kinderporträts von Friedrich Amerling wird wohl kaum ein Besucher widerstehen können. Zu den Highlights gehört in dieser ersten Sonderschau auch die Neuerwerbung von Francesco Hayez' "Il Consiglio alla Vendeta" (1851). Das Bild wurde kürzlich angekauft, um die stilistische und persönliche Nähe zwischen dem italienischen Meister und dem Österreicher Amerling anschaulich zu machen.

Der Gang führt über das Stiegenhaus mit den wieder entdeckten Rottmayr-Fresken, die derzeit noch restauriert werden, in das obere Stockwerk mit der permanenten Sammlung. Kräftner führt hier sein Prinzip des Dialogs einzelner Kunstlandschaften, Schulen und Gattungen in sieben Sälen fort. Herzstück der Präsentation ist dabei der Rubens-Bestand, allen voran der Decius-Mus-Zyklus (1616/17) in der Großen Galerie, der den dramatischen Tod des römischen Konsuls in einer monumentalen siebenteiligen Bilderzählung interpretiert. Wie schon bei der Erstaufstellung der Fürstlichen Sammlungen, 1807, werden die üppigen Ölbilder eines antiken Opfertods von zwei Bronzeskulpturen christlicher Märtyrer von Adrien de Fries (17. Jh.) kontrastiert. Diese inhaltliche und mediale Gegenüberstellung ist eine unter vielen gestalterischen Feinheiten dieses Museums.

Liechtenstein Museum

1090 Wien, Fürstengasse 1

täglich außer Dienstag 9-20 Uhr

www.liechtensteinmuseum.at

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