Vesuv - © Foto: © Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien
Ausstellung

Goethe in Italien: Geheimrätlicher Selbstfindungstrip

1945 1960 1980 2000 2020

Das Tiroler Landesmuseum wandelt auf Goethes Spuren und definiert dessen „Italienische Reise“ als „eine Hommage an ein Land, das es niemals gab“.

1945 1960 1980 2000 2020

Das Tiroler Landesmuseum wandelt auf Goethes Spuren und definiert dessen „Italienische Reise“ als „eine Hommage an ein Land, das es niemals gab“.

Dass man immer nur das sieht, was man weiß, ist eine Binsenweisheit. Das war auch beim großen Johann Wolfgang von Goethe nicht anders, er bereiste zwischen 1786 und 1788 ein Land, das es jedenfalls so, wie er es Jahre später beschrieben hat, niemals gegeben hat. Der Text hat jedenfalls nichts mit der damaligen politischen und gesellschaftlichen Wirklichkeit zu tun, sondern mit einem vorgestellten, an antiken Idealen orientierten Arkadien – um trotzdem zum „Reiseführer“ durch das Sehnsuchtsland Italien zu werden, der bis in die 1990er Jahre von einiger Relevanz war.

Dass die im Tiroler Landesmuseum vom Hausherrn Peter Assmann gemeinsam mit Johannes Ramharter und Helena Perena in virtueller Opulenz zelebrierte Italienreise gerade in jenem Sommer stattfindet, in dem sich viele coronabedingt ihre Sehnsucht nach dem Land, in dem sprichwörtlich die Zitronen blühen, verkneifen, hat ihren Reiz. Machte das Konzipieren der Ausstellung allerdings auch zu einem nervenaufreibenden Unterfangen, gestaltete sich durch die lange dichten Grenzen doch das Bekommen von Leihgaben, etwa von der das Erbe Goethes bewahrenden Klassik Stiftung Weimar, bis zuletzt zu einem tricky Unterfangen.

Pseudonym Filippo Möller

Als Goethe sich 1786 von Karlsbad aus zu seiner großen Italienreise aufmachte, war er 37 Jahre alt und als viel beschäftigter Minister am Weimarer Hof als Dichter in einer kreativen Krise. Erfüllt von der Sehnsucht, auf ­diesem anonymen Selbstfindungstrip – Goethe reiste unter dem Pseudonym Filippo Möller – zum bildenden Künstler zu reifen. Ein Vorhaben, an dem er, wie die Ausstellung zeigt, trotz braver Versuche im Zeichnen und Aquarellieren letztlich scheitern sollte. Mündend in der Einsicht, in dieser Disziplin ein Dilettant zu sein, wenn er schreibt: „Von meinem längeren Aufenthalt in Rom werde ich den Vorteil haben, dass ich auf das Ausüben der bildenden Kunst verzichten tue.“