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Bekenntnis zu Österreich

Die österreichische Staatsidee war bereits im slowenischen Volk der Donaumonarchie tief verankert, und es ist nur natürlich, wenn diese Traditionen bei vielen nach dem Zusammenbruch der österreichisch-ungarischen Monarchie nachwirken.

Unter den Slowenen, die sich 1920 für Österreich entschieden, orientierten sich viele an der Haltung der slowenischen Führer- und Priefterpersönlich-keit Valentin Podgorc. Podgorc hat stets die Auffassung vertreten, daß den Kärntner Slowenen ihre Zukunft innerhalb Österreichs gesichert werden müßte.

Die Achtung, die Podgorc in der da-' mals fast ausschließlich bäuerlichen slowenischen Bevölkerung genoß, sein Wirken für die Slowenen im kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Bereich blieben somit nicht ohne Einfluß auch auf die Entscheidung der Kärntner Slowenen bei der Volksabstimmung 1920.

Nach der Volksabstimmung galt es zuerst einmal die slowenische Volksgruppe, die nun vom Volksganzen getrennt lebte und ihre Heimat innerhalb der Grenzen Österreichs hatte, neu zu organisieren, ihr Selbstbewußtsein zu stärken und sie für die Aufgaben vorzubereiten, die ihrer in der österreichischen Republik harrten.

In dem von Podgorc herausgegebenen-. Organ „Glas pravice" („Stimme des Rechtes"), in dem auch deutschsprachige Artikel publiziert wurden, erarbeitete er den neuen politischen Standort der Volksgruppe. „Wir wollen gute österreichische Staatsbürger sein, aber wir werden für die nationalen Rechte weiterkämpfen ... Wir wollen in Frieden und gutem Einvernehmen mit den deutschen Nachbarn leben. Was wir verlangen, macht den deutschen Nachbar nicht ärmer und legt ihm keine Opfer auf. Eine gesunde geistige Entwicklung kann nur dem ganzen Lande von Segen sein."

Nach dem Versuch der Liquidierung der slowenischen Volksgruppe zur Zeit des Nazismus bedeutete das Jahr 1945 nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches und nach einem opferreichen Widerstand, der gleichzeitig ein slowenischer Widerstandskampf für das neue Österreich war, auch für die Kärntner Slowenen einen neuen Anfang.

In zahlreichen Artikeln, die Podgorc in der slowenischen Zeitung „Koroska kronika" („Die Kärntner Chronik"), welche in den Jahren 1945 bis 1950 in Klagenfurt erschienen war, veröffentlicht hat, zeigte Podgorc die Gefahren des Kommunismus auf. Wie in den Jahren 1918 bis 1920, so wies Podgorc den Kärntner Slowenen auch nach 1945 -Jugoslawien stellte damals Gebietsansprüche an Österreich - in der Auseinandersetzung um die Südgrenze den österreichischen Weg.

Er sammelte die katholischen Kräfte in der Volksgruppe um die Hermagoras-Bruderschaft, rettete ihr Vermögen, ermöglichte die Belebung ihrer Tätigkeit als religiös-kulturelle Organisation der Kärntner Slowenen, verhalf dann der Hermagoras-Bruderschaft („Druzba svetega Mohorja") in Klagenfurt zur Konzession für die Errichtung einer eigenen Druckerei und erneuerte die Herausgabe einer jährlichen Büchergabe. ,

Heute hat die Hermagoras-Bruderschaft in Klagenfurt eine eigene Druk-kerei, einen Verlag, eine Buchhandlung und ein modernes mehrstöckiges Studentenheim im Zentrum der Landeshauptstadt. Ohne dieses Studentenheim wäre es übrigens 1957 wohl kaum möglich gewesen, in Klagenfurt das Bundesgymnasium für Slowenen zu verwirklichen.

Seit der Gründung der Schule haben bisher rund 600 Schüler und Schülerinnen die Reifeprüfung am Bundesgymnasium für Slowenen abgelegt. An diesem Gymnasium werden derzeit 538 Schüler und Schülerinnen in 21 Klassen von 40 Lehrern und Lehrerinnen unterrichtet. Von diesen haben bereits 20 das Studium am Bundesgymnasium für Slowenen abgelegt. Entsprechend den Aufgaben der österreichischen Schule werden die Schüler und Schülerinnen am Bundesgymnasium für Slowenen zu treuen Bürgern der Republik Österreich und volksbewußten Slowenen erzogen.nbsp;laquo;

Die Tatsache, daß sich um die Hermagoras-Bruderschaft die katholischen Slowenen Kärntens nach 1945 zu sammeln begannen, ermöglichte schließlich nach der Wiederbelebung der kulturellen Tätigkeit durch die Hermagoras auch die Schaffung einer politischen Plattform für den Rat der Kärntner Slowenen (Narodni svet koroäkih Slo-vencev), der volkspolitischen Vertretung christlich orientierter Slowenen im Lande.

Diese Organisation sollte dem Versuch einer ideologischen Unterwanderung der slowenischen Volksgruppen im Sinne kommunistischer Ideen von Jugoslawien her entgegenwirken und eine Minderheitspolitik auf den Grundlagen christlicher Weltanschauung verfolgen.

In diesem Geist wirkte auch Josef Tischler, später dann der erste Direktor des Bundesgymnasiums für Slowenen, der 1949 mit der Gründung des Rates der Kärntner Slowenen eine minderheitenpolitische Organisation schuf, die sich zur Aufgabe gestellt hat, sich bei der kulturellen und politischen Tätigkeit der Volksgruppe an den Grundsätzen christlicher Weltanschauung zu orientieren.

So wird schließlich auch verständlich, daß in Kärnten die Zusammenarbeit zwischen den Deutschen und Slowenen im Bereich der Kirche am weitesten fortgeschritten ist, deren Aktivitäten im Sinne eines gemeinsamen Kärntens allgemein anerkannt werden.

Der Autor ist Ko-Vorsitzenderdes Deutsch-slowenischen Koordinationsausschusses der Diözese Gurk-Klagenfurt, Schulaufsichtsorgan Tür das Bundesgymnasium für Slowenen und Fachinspektor für den Slowenischunterricht an höheren und mittleren Schulen.

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