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Fest verankert

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In Kärnten leben heute 40.000 bis 50.000 Angehörige der slowenischen Volksgruppe, allerdings ist nur ein Drittel davon wirklich volksbewußt.

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In Kärnten leben heute 40.000 bis 50.000 Angehörige der slowenischen Volksgruppe, allerdings ist nur ein Drittel davon wirklich volksbewußt.

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FURCHE: Wie gestaltet sich, Herr Dr. Inzko, das Leben der slowenischen Volksgruppe in Kärnten? Wieviele Slowenen gibt es in Kärnten heute?

VALENTIN INZKO: Das Hauptanliegen der slowenischen Volksgruppe ist, ihren Weiterbestand zu sichern, der slowenischen Sprache und Kultur im Land eine ungehinderte Entfaltung zu ermöglichen.

Diesem Bemühen entspricht eine vielschichtige kulturelle Tätigkeit in den rund 50 slowenischen Kulturvereinen. Wenngleich die Folklore im Bereich der Pflege überlieferter Kulturtraditionen im Leben der Kärntner Slowenen einen festen Platz einnimmt, sind neue zeitgemäße Ansätze einer in die Zukunft weisenden, die engen regionalen Grenzen überschreitenden und auf das Zusammenleben ausgerichteten Kulturarbeit in einem Land, das im Schnittpunkt dreier Kulturkreise gelegen ist, präsent.

Das Streben der slowenischen Volksgruppe, das Niveau in allen Bereichen des kulturellen, des geistigen Lebens zu heben, steht im Zusammenhang mit der erfolgreichen Entwicklung des Bundesgymnasiums für Slowenen, das bisher bereits 865 Maturanten verlassen haben.

Total im Widerspruch zu dieser Entwicklung sind die Ergebnisse der Volkszählungen, die einen ständigen, teilweise sogar starken Rückgang von Angehörigen der slowenischen Volksgruppe aufweisen. In Kärnten leben 40.000 bis 50.000 Slowenen, allerdings ist davon nur ein Drittel volksbewußt.

FURCHE: Das Verhältnis der slowenischen Volksgruppe zur Kirche wird immer als besonders gut bezeichnet. In welcher Form ist die katholische Kirche um die Förderung der slowenischen Minderheit bemüht?

INZKO: Wenngleich in den vergangenen Jahrzehnten auch die slowenische Volksgruppe im kirchlichen Bereich von einem Säkularisierungsprozeß erfaßt wurde, ist der Anteil von Priestern, die der slowenischen Volksgruppe angehören, noch immer stark. Er beträgt in der Diözese Gurk 90 Priester.

Neben dem Slowenischen Seel-

„Das Verhältnis der Kirche zur slowenischen Volksgruppe war immer gut“ sorgeamt vereinigt der Katholische Arbeitsausschuß alle Gliederungen der Katholischen Aktion in zweisprachigen Pfarren und Dekanaten.

Im Rahmen des Kärntner Di-özesanrates wurde ein slowenischer Pastoralausschuß als repräsentative Vertretung der Slowenen in der Kirche Kärntens ins Leben gerufen, dem 35 Priester und Laien angehören.

Ein Beweis der Förderung von Anliegen der Volksgruppe seitens der Kirche ist das Katholische Bildungsheim „Sodalitas“ in Tainach, das mit kirchlichen Mitteln und Spenden aus der slowenischen Volksgruppe zu einem modernen religiös-kulturellen Zentrum ausgebaut werden konnte.

FURCHE:In der Vergangenheit wurde oft behauptet, die Kärntner Slowenen hätten ein „gestörtes“ Verhältnis zum österreichischen Staat. Wie ist die Haltung der slowenischen Volksgruppe Österreich gegenüber heute?

INZKO: Alt-Bundeskanzler Dr. Josef Klaus, der zu jener Zeit auch die Funktion des Bundespräsidenten ausübte, sagte im Rahmen der Republikfeier des Rates der Kärntner Slowenen am 9. Mai 1965 in Klagenfurt:

„Nach dem Zusammenbruch der Monarchie legten Kärntner Slowenen schon ein Bekenntnis zur demokratischen Republik Österreich ab, als sich ein großer

Teil von ihm für Österreich entschied. Es war damals in einer Zeit, in der sehr wenige wirklich an Österreich, an seine Selbständigkeit und seine Lebensfähigkeit glaubten, es war damals das eines der ersten Glaubensbekenntnisse zu Österreich und dafür gebührt Ihnen, Ihren Vätern und Müttern, meine sehr geehrten Landsleute, heute noch Dank und Anerkennung.“

Nach der Unterzeichnung des österreichischen Staatsvertrages legten die beiden politischen Vertretungen der slowenischen Volksgruppe, der christlich orientierte Rat der Kärntner Slowenen und der links orientierte Zentralverband slowenischer Organisationen, gegenüber dem österreichischen Staat eine Loyalitätserklärung ab.

FURCHE: Wie ist das Verhältnis der Slowenen zu ihren deutschsprachigen Nachbarn in Kärnten?

INZKO: Die Kärntner Slowenen sind bestrebt, ihr Verhältnis zum deutschsprachigen Nachbarn immer mehr auszubauen. Die Kärntner Kulturzeitschrift „Die Brücke“, die vor elf Jahren gegründet wurde, zählt slowenische Kärntner Kulturschaffende kontinuierlich zu ihren Mitarbeitern. Die Kulturzeitschrift „Mlad-je“, herausgegeben vorwiegend von jungen, engagierten Vertretern der Kärntner slowenischen Kultur- und Literaturszene, veröffentlicht im Original und in Ubersetzungen Beiträge auch deutschsprachiger Kollegen.

Entscheidende Schritte in Richtung Zusammenleben hat die Kirche in Kärnten gesetzt. Der

Deutsch-slowenische Koordinationsausschuß der Diözese Gurk-Klagenfurt, dem drei Angehörige der slowenischen und drei Angehörige der deutschsprachigen Volksgruppe angehören, ist Herausgeber der Dokumentationsreihe „Das gemeinsame Kärnten - Skupna Koroska“.

FURCHE: In letzter Zeit wurde oft die zweisprachige Schule als Problem hingestellt. Wie sehen Sie,Herr Dr. Inzko, in Zukunft die Rolle der zweisprachigen Schule in Kärnten?

INZKO: Es ist richtig, daß man in gewissen Kreisen in Kärnten immer wieder versucht, die zweisprachige Schule als Problem hinzustellen, was eine Unterstellung ist. Von etwas mehr als 5000 Pflichtschülern, die an den ersten drei Schulstufen im zweisprachigen Gebiet die Pflichtschule besuchen, wird der überwiegende Teil jener Schüler, die nur in deutscher Unterrichtssprache unterrichtet werden, in eigenen Klassen unterrichtet.

Nur dort, wo es an Volksschulen wegen zu geringer Schülerzahl keine Parallelklassen gibt, werden Schüler, die nur zum einsprachigen Unterricht angemeldet wurden, mit Schülern, die von den Eltern zum zweisprachigen Unterricht angemeldet worden sind, in gemeinsamen Klassen unterrichtet. Das sind rund 1500 deutschsprachige Schüler, die an den ersten drei Schulsturen mit etwas weniger als 800 zum zweisprachigen Unterricht angemeldeten Schülern in gemeinsamen Klassen unterrichtet werden.

Valentin Inzko ist Fachinspektor für das Bundesgymnasium für Slowenen in Kärnten und Mitvorsitzender des Deutsch-slowenischen Koordinationsausschusses der Diözese Gurk-Klagenfurt.

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