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Wasser: Ein bedeutender Wirtschaftsfaktor und ein Forschungsbereich, in dem Österreich weltweit zu den Vorreitern zählt.

Dass Wasser einen wichtigen Wirtschaftsfaktor in Österreich darstellt, wird allein schon durch seine Bedeutung für die Stromerzeugung deutlich. Derzeit sind über 4.000 Wasserkraftwerke in Betrieb. Sie decken 70 Prozent der heimischen Stromerzeugung. Neben den großen Kraftwerken der Energieversorgungsunternehmen gibt es viele kleine und kleinste Anlagen der Stromerzeugung. Sei waren in den neunziger Jahren die wichtigsten Öko-Strom-Lieferanten im Lande. Durch das neue Ökostrom-Gesetz versucht die Bundesregierung die Errichtung weiterer Kleinkraftwerke zu fördern.

Nicht zu unterschätzen ist auch die Bedeutung des Wassers für den Fremdenverkehr. Mit seinen 2.143 natürlichen und künstlichen Seen und seinem Netz von Bächen und Flüssen, das sich auf 100.000 Kilometer erstreckt, eröffnet es Möglichkeiten für zahlreiche Freizeitaktivitäten. Dass Österreich auch über zahlreiche Heil- und Thermalquellen verfügt, kommt wiederum dem derzeitigen Wellness-Boom zugute.

Mit der EU-Osterweiterung sollte auch die Bedeutung der Donau als Wasserstraße steigen. Seit der Eröffnung des Main-Donau-Kanals im Herbst 1992 und der damit gegebenen Verbindung zu den Wasserstraßen Westeuropas entstand ein Netz mit mehr als 8.500 Kilometern Länge, in dessen Zentrum Wien liegt.

Wien ist auch der Sitz der Internationalen Kommission zum Schutz der Donau, einer1994 von den Anrainer-Staaten des Stromes und der EU ins Leben gerufenen Plattform. Eine ihrer wichtigsten Aufgaben ist die Verbesserung der Wasserqualität der Donau und ihrer Nebenflüsse in den östlichen Anrainer-Staaten. Im Jahr 2001 erhob im Rahmen dieser Aktivitäten ein Forschungsschiff in der Donau und ihren Nebenflüssen erstmals einheitliche Messdaten.

Kooperation mit dem Osten

Im Bereich des Wasserschutzes blickt Österreich bereits auf viele Jahre erfolgreicher Kooperation mit den EU-Kandidaten-Ländern zurück. Zahlreiche Experten wurden in die ehemaligen Ostblock-Staaten entsandt, um an entsprechenden Projekten mitzuwirken.

Diese Unterstützung verfolgte unter anderem auch das Anliegen, den Weg für österreichische Unternehmen auf diesen Märkten zu ebnen. Nach Ansicht des Umweltministeriums sollte dies auch entsprechende Export-Erfolge der heimischen Wasserwirtschaft beitragen: "In Mittel- und Osteuropa profilieren sich die österreichischen Wasserfirmen im Bereich der Abwasserentsorgung. Durch die geografische Nähe, die historische Verbundenheit und die bevorstehende Erweiterung der Europäischen Union rechnet die österreichische Wasserwirtschaft hier mit besonderen Exporterfolgen," heißt es in der Broschüre "WasserZukunft".

Tirana ist nicht Linz

Karl Rohrhofer, Zivilingenieur und selbst in der Wasserwirtschaft tätiger Unternehmer, relativiert diese Perspektiven. Es stimme zwar, dass Österreich auf dem Wasser-Sektor sowohl bei der Forschung wie im Unternehmensbereich zur internationalen Spitze zählt. Man könne den Level der Kläranlage von Linz allerdings nicht nach Belgrad oder Tirana transferieren. Dazu fehlten derzeit die Voraussetzungen und die Mittel (siehe Interview).

Anders sei die Situation in den reichen Ländern des Vorderen Orients. Dort sind österreichische Unternehmen seit Jahren erfolgreich tätig. Aber selbst für diese Länder sei es fraglich, ob die Übertragung europäischer Konzepte zielführend sei. In den trockenen Regionen der Erde gehe es vor allem um die Entwicklung wassersparender Lösungen.

Genau an solchen Konzepten arbeitet Raimund Haberl, Professor für Siedlungswasserbau an der Universität für Bodenkultur. "Im Bereich der Abwässer kommen unterschiedliche Ströme zusammen: Klospülung, Wasser vom Wäschewaschen, Wasser aus Küchen. Es wäre interessant diese Ströme zu trennen."

Wie das funktionieren soll? "Es geht darum, den Urin getrennt zu sammeln und den darin enthaltenen Phosphor auszuwerten. Die festen Fäkalien könnte man kompostieren und in den natürlichen Kreislauf zurückführen. Es gibt entsprechende Forschungen und Pilotprojekte."

Neue Konzepte

Die Methoden seien allerdings noch nicht so ausgereift, um sie flächendeckend einzusetzen. Die Tatsache aber, dass man auf diese Weise den Wasserverbrauch um ein Drittel senken könnte - so viel verbraucht nämlich die Toilettenspülung - ist für die vielen Länder, in denen Wasserknappheit vorherrscht, von größtem Interesse. Haberl: "Wo neue Siedlungen entstehen, kann man solche Konzepte verwirklichen. Auf lange Sicht wird sogar überlegt, große Städte umzustellen."