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Lieben, trotzdem

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hochzeit - © Foto: iStock/cierra45

Hochzeiten in der Pandemie: Verliebt, verlobt, verschoben

1945 1960 1980 2000 2020

Seit Anfang Juli sind Hochzeiten wieder im Normalmodus möglich, geheiratet wurde aber auch davor. Wie und warum sich Paare im Pandemiezeitalter das Ja-Wort gaben.

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Seit Anfang Juli sind Hochzeiten wieder im Normalmodus möglich, geheiratet wurde aber auch davor. Wie und warum sich Paare im Pandemiezeitalter das Ja-Wort gaben.

Verschoben, nochmal verschoben, abgesagt. Die Pandemie hat vielen Hochzeitspaaren einen gewaltigen Strich durch die Rechnung gemacht. Nicht verwunderlich, dass die Zahl der Trauungen im letzten Jahr rasant abgenommen hat. 6.372 Eheschließungen weniger fanden in Österreich 2020 im Vergleich zum Jahr davor statt. Aber: Immerhin 39.662 Paare trauten sich doch. Nicht immer so wie geplant, etwas Besonderes blieb der Hochzeitstag aber allemal.

Zum Beispiel bei Julia (28) und Peter (33). An einem Freitagvormittag im November standen die beiden bei einem Wiener Standesamt. Ohne Familie, ohne Freunde gaben sie sich spontan das Ja-Wort. Drei Gäste wären zwar erlaubt gewesen – bei vier Elternteilen jedoch ein unlösbares Dilemma. Also wurde es ganz intim. „Wir haben die Zeit zu zweit genossen“, so Julia. Warum Julia und Peter gerade jetzt heiraten wollten? Im April war Nachwuchs angesagt, die Hochzeit sollte vor allem aus rechtlichen Gründen davor stattfinden. Zwar stand die Option im Raum, auf den Frühling zu warten, um eventuell mit mehr Leuten feiern zu können. „Aber uns war relativ schnell klar, dass sich die Lage eher unwahrscheinlich entspannen wird“, erklärt Julia.

Absicherung und Familienplanung

Dass die Ehe als rechtliche Absicherung in Zusammenhang mit Familienplanung häufig eine Rolle spielt, bestätigt Eva-Maria Schmidt, Soziologin und Ethnologin am Österreichischen Institut für Familienforschung. 2015 forschte Schmidt zu Ehen und nichtehelichen Lebensgemeinschaften in Österreich. „Die Ehe wurde von den meisten Befragten als die ideale Form einer Beziehung eingestuft, wenn jemand den ‚richtigen Partner‘ für sein Leben gefunden hatte“, so Schmidt. Eine Ehe sei als permanente Beziehungsform von Stabilität und Sicherheit gekennzeichnet und impliziere, dass sich das Paar in emotionaler und finanzieller Weise umeinander kümmern und eine gemeinsame Zukunft planen würde. „Als stabilere Beziehungsform bietet die Ehe laut den Befragten ideale Bedingungen, um eine Familie zu gründen und Kinder großzuziehen“, so Schmidt.

Bei Jutta (52) und Karl (53) ging sich vor der Geburt ihres gemeinsamen Sohnes keine Hochzeit aus. Auch nicht vor der des zweiten. Überhaupt kam immer irgendetwas dazwischen. Und plötzlich lebten die beiden 23 Jahre in wilder Ehe zusammen. Bis zum Frühling 2021. Bis eine weltweite Pandemie den beiden vor Augen führt, dass geliebten Menschen ganz unvorhergesehen etwas zustoßen kann. Ein Bekannter von Jutta und Karl verstirbt an Covid-19. Eine Woche später sind die beiden verheiratet. Bereits die schwere Erkrankung des Bekannten war ein Warnsignal, dass die beiden ernst nahmen: Karl ist Landwirt, Jutta übernahm viele Jahre Kinder- und Hausarbeit – kein Trauschein bedeutet für sie keine Absicherung.

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