#6 Geboren als Wunderling

1945 1960 1980 2000 2020

Qualitätskontrolle der Geschlechter

1945 1960 1980 2000 2020

Qualitätskontrolle der Geschlechter

Sie wollen nicht noch einen kritischen Beitrag zum Weltfrauentag lesen? Sorry, not sorry, aber da müssen Sie jetzt durch. Keine Sorge, dann verschwinden wir lästigen Feministinnen für die nächsten 364 Tage wieder in unsere realitätsferne Bubble zurück, um die nächste Attacke auf unschuldige Männer zu planen (#Männerhass).

In unserer Gesellschaft lernen wir schon sehr früh, welche Rollen wir als Frauen oder Männer einzunehmen haben. Vieles passiert dabei unterbewusst, das Meiste verstehen wir erst viel später (wenn überhaupt). Zum Beispiel wurde mir als Kind oft der Titel „verpatzter Bua“ gegeben, also „schief gegangener Bub“. Warum? Ich kletterte gern auf Bäumen herum, spielte auch mal mit den Burschen Fußball, war frecher, als es die Erwachsenen von mir erwarteten.

Ich schätze, dass meine Mangelhaftigkeit spätestens bei der Qualitätskontrolle im Geburtskanal bemerkt wurde. „Für ein Mädchen reicht es noch“, meinte wohl der Muttermund und ließ mich trotzdem passieren. So wie es bei Obst und Gemüse geschieht, das zwar jenseits der üblichen Qualitäts-Standards liegt, es als „Wunderling“ aber trotzdem in die Supermarkt-Regale schafft.

Ich bin mir sicher, keiner der Erwachsenen wollte mich mit dieser Aussage kränken. Man sagte das eben so. Und ich war auch nicht beleidigt. Ich war stolz. Ich war kein typisches Mädchen. Ich war nicht so weich wie die anderen. Nicht so lieb. Ich traute mich. Ich war cooler. Besser. Man stelle sich vor, ein Bub spiele gern mit Puppen. Würde man ihn dann ein „verpatztes Mädel“ nennen? Wäre der Bub stolz darauf, weich und lieb zu sein? Als unsicher und uncool gesehen zu werden? Ein schief gegangenes Mädchen? Wie peinlich. Selbst die Wunderlinge würden missbilligend ihr Gesicht verziehen.

Sie wollen nicht noch einen kritischen Beitrag zum Weltfrauentag lesen? Sorry, not sorry, aber da müssen Sie jetzt durch. Keine Sorge, dann verschwinden wir lästigen Feministinnen für die nächsten 364 Tage wieder in unsere realitätsferne Bubble zurück, um die nächste Attacke auf unschuldige Männer zu planen (#Männerhass).

In unserer Gesellschaft lernen wir schon sehr früh, welche Rollen wir als Frauen oder Männer einzunehmen haben. Vieles passiert dabei unterbewusst, das Meiste verstehen wir erst viel später (wenn überhaupt). Zum Beispiel wurde mir als Kind oft der Titel „verpatzter Bua“ gegeben, also „schief gegangener Bub“. Warum? Ich kletterte gern auf Bäumen herum, spielte auch mal mit den Burschen Fußball, war frecher, als es die Erwachsenen von mir erwarteten.

Ich schätze, dass meine Mangelhaftigkeit spätestens bei der Qualitätskontrolle im Geburtskanal bemerkt wurde. „Für ein Mädchen reicht es noch“, meinte wohl der Muttermund und ließ mich trotzdem passieren. So wie es bei Obst und Gemüse geschieht, das zwar jenseits der üblichen Qualitäts-Standards liegt, es als „Wunderling“ aber trotzdem in die Supermarkt-Regale schafft.

Ich bin mir sicher, keiner der Erwachsenen wollte mich mit dieser Aussage kränken. Man sagte das eben so. Und ich war auch nicht beleidigt. Ich war stolz. Ich war kein typisches Mädchen. Ich war nicht so weich wie die anderen. Nicht so lieb. Ich traute mich. Ich war cooler. Besser. Man stelle sich vor, ein Bub spiele gern mit Puppen. Würde man ihn dann ein „verpatztes Mädel“ nennen? Wäre der Bub stolz darauf, weich und lieb zu sein? Als unsicher und uncool gesehen zu werden? Ein schief gegangenes Mädchen? Wie peinlich. Selbst die Wunderlinge würden missbilligend ihr Gesicht verziehen.

Digital Dirndl V2 - © Illustration: Rainer Messerklinger

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Aufgewachsen im Weinviertel, dann übersiedelt nach Wien, ist Margit Körbel mittendrin im Konflikt von gemütlicher Landidylle und rauschendem Stadtleben, Traditionen und deren Bruch, Millennials und Babyboomern. Wöchentlich schreibt Sie von Ihren Erlebnissen. Hier kostenlos abonnieren.

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