Quint-Essenz

30 Jahre Altersunterschied: Die armselige Tante

1945 1960 1980 2000 2020

Kolumnistin Brigitte Quint hat herausgefunden, wie sie ihre pubertierenden Neffen beeindrucken kann: Mit dem Spiel "Stadt- Land- Fluß". Die 30 Jahre Altersunterschied machen sich in puncto Geographiewissen definitiv bemerkbar. Doch dann zwingen sie die Halbwüchsigen doch noch in die Knie.

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Kolumnistin Brigitte Quint hat herausgefunden, wie sie ihre pubertierenden Neffen beeindrucken kann: Mit dem Spiel "Stadt- Land- Fluß". Die 30 Jahre Altersunterschied machen sich in puncto Geographiewissen definitiv bemerkbar. Doch dann zwingen sie die Halbwüchsigen doch noch in die Knie.

Drei meiner Neffen sind in der Pubertät bzw. kurz davor. Viel miteinander anfangen können wir grad nicht. Für sie gibt es nur ein Thema: die deutsche Fußballbundesliga. Ja, ich könnte meine Wissenslücken diesbezüglich auffüllen. Aber auch die Liebe einer Tante hat Grenzen...

Allerdings scheint sich langsam aber sicher das Blatt zu wenden. Wir haben uns nämlich wieder angenähert. Über „Stadt-Land- Fluss“. Ich hatte ihnen das Spiel vorgeschlagen und fix mit einem Korb gerechnet. Ein Irrtum. Die Buben zogen sofort Zettel und Papier heraus und malten Tabellen.

Ich liebe „Stadt-Land-Fluss“. Das ist das einzige Gesellschaftsspiel, bei dem ich nicht versage. Na ja, bis auf den Teil mit dem „Fluss“. Donau, Rhein, Main, Inn, Nil – dann wird es auf die Schnelle schon schwierig. Aber: Meinen Neffen ist das gar nicht aufgefallen. Zum ersten Mal seit sie Kleinkinder waren, habe ich eine Art Bewunderung in ihren Augen gesehen. Ich war es, die Städte und Länder aus dem Hut gezaubert hat, auf die sie nie gekommen wären. Ja, die sie gar nicht kannten.

Es ist mir bewusst, wie billig und armselig mein Verhalten ist. Meine Neffen sind im Schnitt 30 Jahre jünger als ich. Wenn ich in puncto Geografie nicht mehr drauf hätte als sie, dann wäre es höchste Zeit für ein Gehirn-CT. Wobei, vermutlich wäre das schon jetzt nötig. Das Bedürfnis, drei Halbwüchsige zu beeindrucken, lässt nicht unbedingt auf eine gesunde Geisteskraft schließen.

Letztens schlug einer der Buben vor, „Fußballvereine“ als Kategorie hinzuzufügen. Die anderen waren begeistert. Begriffe wie „Arminia Bielefeld“, „Bayer Leverkusen“, „Chemie Leipzig“ oder „Dynamo Dresden“ flogen durch die Luft. Meine Gewinnsträhne war damit vorbei. Jetzt spielen wir auf Augenhöhe. Das fühlt sich sehr erwachsen an.

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