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Natur, frei und geformt

In den Bergl-Zimmem vonSchloß Schönbrunn, jenen von Johann Wenzel Bergl in freudig leuchtenden Farben ausgemalten Räumen, die an sich schon eine Sehenswürdigkeit ersten Ranges darstellen, sind 130 Pläne, Entwürfe, Aquarelle, Grafiken und Kupferstiche von romantischen Gärten der Aufklärung aus dem Wiener Raum zu sehen.

Ausgewählt hat die mit Fotos von Elfriede Mej char ergänzten Veduten aus dem Besitz der Albertina, des Historischen Museums der Stadt Wen, des Naturhistorischen Landesmuseums und privater Sammlungen Geza Hajös vom kürzlich eingerichteten Referat für historische Gartenanlagen des Bundesdenkmalamtes. Außerdem hater ein kulturhistorisch bedeutsames, dabei amüsant zu lesendes Buch zum selbęnThema geschrieben: ‘‘Romantische Gärten der Aufklärung - Englische Landschaftskultur des 18. Jahrhunderts in und um Wien“, Böhlau Verlag, Wien-Köln 1989.

Da wie dort stellt Göza Hajos fünfzehn Landschaftsgärten vor, die, im liberalen England beheimatet, hierzulande als ‘‘englische Gärten“ bekannt geworden sind und den französischen Barockgärten mit ihren beschnittenen Hecken und Bäumen Konkurrenz gemacht haben. Fuß faßte der die Grenzen zwischen Park und Landschaft verwischende englische Garten bei uns ab 1770. Im Unterschied zu England, zu Holland und zu den beiden deutschen Staaten gibt es teils infolge der Erweiterung der Kaiser- und Residenzstadt Wien im 19. Jahrhundert, teils aufgrund einer Entscheidung des Verfassungsgerichtshofes von 1964 - wonach “Erscheinungsformen der gestalteten Natur wie zum Beispiel Parkanlagen“ nicht unter das Denkmalschutzgesetz fallen - in Österreich nur noch wenige erhalten gebliebene Gärten dieses Typs. Denn wo man sie nicht überhaupt zerstört, verbaut oder verparzelliert hat, hat man sie zumeist verwildern lassen.

Lediglich der Laxenburger Park spiegelt relativ unangetastet wider, wie sich die von Rousseau beeinflußte josephinische Gesellschaft

“schöne Natur“ vorgestellt und dementsprechend künstlich geschaffen hat. In dem ehemaligen kaiserlichen Lustgarten südlich von Wen finden sich nämlich noch die unregelmäßig verschlungenen Wege, die malerisch inszenierten Baumgruppen und Lichtungen mit Ruhesitzen, sind die Teiche, Wasserfälle und chinesischen Brücken nach wie vor intakt, stehen ein in die Teichanlage hineingebauter Rittergau samt Burg, Turnierplatz und Kapelle sowie ein zu den englischen Gärten gehörender griechischer Rundtempel.

Den ersten englischen Garten besaß 1766 der mit Kaiser Joseph IL befreundete Feldmarschall Moritz Graf Lacy in Neuwaldegg (Dombach). Schon in diesem Naturpark standen, wie die Ausstellung mit wahrhaft anmutigem Bildmaterial vor Augen führt, zu Baumgruppen arrangierte Tannen, Ulmen, Linden, Ahombäume und türkische Hollun- dersträucher; es gab einen großen und einen kleinen chinesischen Pavillon, chinesische Brücken, eine Grotte, eine Solitude genannte Hütte, einen antikisierenden Tem pel, drei freistehende Skulpturen und zudem Teichanlagen. Ein Holländerdorf, das Hameau, entsprach den romantisch-sentimentalen Vorstellungen vom einfachen Leben.

Bald folgten Adelige und Bürgerliche Lacys Beispiel. Dazu gehörten Feldmarschall Gideon Freiherr von Laudon in Hadersdorf, Philipp Graf Cobenzl auf dem Reisenberg (heute Cobenzl), Vizestaatssekretär Graf Sinzendorf in Emstbrunn bei D örf- les, der Seidenfabrikant Johann Freiherr (später Graf) von Fries in Bad Vöslau sowie die beiden russischen Botschafter Fürst Demeter Gallitzin auf dem Predigtstuhl (Gal- litzinberg) und Andreas Kirillo- witsch Graf Rasumofsky in Wien- Landstraße.

Schließlich ließen auch Johann Graf Harrach in Bruck an der Leitha, Eugen Wenzel Graf Schönbom bei Göllersdorf, Antonia Gräfin Paar in Hütteldorf, der Industrielle und Hof theaterdirektor Peter vonBraun in Schönau, der Hof juwelier Franz von Mack in Kalksburg und die Bankiers Johann und Jakob Geymüller in Pötzleinsdorf ihre Gärten nach dem neuen Schema konzipieren. Ihre gut dokumentierten Besit zungen dienten der Erholung und Bildung, indem man sie für das Volk öffnete und in Führungen vorstellte.

Wenn auch der 1766 kraft eines kaiserlichen Dekrets der Bevölkerung zugänglich gemachte Prater mitseinembarocken Grundkonzept der wichtigste Freiraum der Wener blieb, symbolisiert der von Schöngeistern schwärmerisch besungene englische Garten die langsame Abkehr vom Absolutismus.

Ein Umdenken in ökologischen Belangen läßt uns die inszenierte Natur, bei der heute als “grün“ empfundene Gedanken erstmals Gestalt angenommen haben, als besonders reizvoll und erhaltenswert erscheinen. Die ausgestellten Fotos von den vom Verfall bedrohten Anlagen signalisieren, wie sehr es an der Zeit ist, die Wener Gartenkultur im gleichen Maß zu schützen wie die Architektur. Das Denkmalamt bereitet die wissenschaftlichen und praktischen Grundlagen dafür vor.

Di« von der Schlo£hauptmannachaft Schön- bruimveranataltete Schau’Romantiache Gärten der Aufklärung* ist vom 12. Mai bis 26. Oktober täglich von9bb 12 und von 13bisl7Uhr geöffnet,

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