Schruns - © Foto: Wolfgang Machreich
Feuilleton

Hemingway in Schruns – ein Fest fürs Leben

1945 1960 1980 2000 2020

Ernest Hemingway verbrachte vor 95 Jahren zwei Winter im Montafon. Bericht einer zum Scheitern verurteilten Spurensuche, die mithilfe eines Zaubers doch noch gelingt.

1945 1960 1980 2000 2020

Ernest Hemingway verbrachte vor 95 Jahren zwei Winter im Montafon. Bericht einer zum Scheitern verurteilten Spurensuche, die mithilfe eines Zaubers doch noch gelingt.

Ernest Hemingway kam in den Wintern 1925/26 des Geldes wegen vom nassen und kalten Paris ins verschneite und sonnige Montafon: „Die Pension kostete für uns drei ungefähr zwei Dollar am Tag, und da der österreichische Schilling durch die Inflation fiel, kosteten das Zimmer und Essen immer weniger.“ Außerdem hatte er gegenüber seiner ersten Frau Hadley etwas gutzumachen. Den Sommer davor verbrachte er in Pamplona, Stierkampf, Partys, Affären, durchlebte, durchliebte die sprichwörtlich wilden 20er Jahre. Das abgelegene Schruns bot sich da als der ideale Ort an, um runterzukommen – und reinzukommen: Der 25-Jährige hatte seinen Korrespondenten-Job beim Toronto Star gekündigt, wollte Schriftsteller werden, sein spanisches Fest als Stoff, und hatte „das Schwierigste an Umschreiben vor, das ich je gemacht habe, als ich die erste Fassung von Fiesta, die ich in einem Lauf in sechs Wochen geschrieben hatte, zu einem Roman umarbeitete“ (aus „Paris – ein Fest fürs Leben“).

„Paradies ohne Wiederkehr“

Ich kam in diesem Winter ins nicht mehr so tiefverschneite, aber immer noch sonnige Montafon. Wegen Hemingway. Spurensuche. Weniger anstrengend als auf den Spuren Humboldts auf Cotopaxi und Chimborazo, aufregender als mit Zuckmayer in Saas Fee und lustiger als in den Fußstapfen Hesses am Gotthard. Richtig gedacht. Hemingway im Montafon zu suchen, ist leicht, interessant und kann echt lustig werden. Kein Wunder, die Hemingway-Welt in Schruns und Umgebung sind die Gasthäuser und die Berge. Diese Kombination muss man mögen, ich mag sie, es gibt nur ein Problem, das Montafon des Ernest Hemingway ist weg. Das soll auch der Grund dafür gewesen sein, dass Hemingway nie wieder zurückgekommen ist.