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Was uns blüht

Gepresste Blume - ©  Collage: Rainer Messerklinger
Literatur

„Hat Luft, hat Puls, zudem eine Stimme“

1945 1960 1980 2000 2020

Das Leben scheint dieser Tage stillzustehen. Es wäre an der Zeit, wieder einmal Lyrik zu lesen.

1945 1960 1980 2000 2020

Das Leben scheint dieser Tage stillzustehen. Es wäre an der Zeit, wieder einmal Lyrik zu lesen.

Der krisenbedingte Stillstand des gesellschaftlichen Lebens erfordert für uns alle eine neue Form der Entschleunigung und des Innehaltens. Man konzentriert sich auf das Wesentliche. Umgemünzt auf die Literatur kann das auch eine Motivation für die Hinwendung zum Wort bedeuten. Das Schattendasein der Lyrik in unserer Zeit hat wohl auch damit zu tun, dass man in einer von Tempo und Rasanz geprägten Welt mitunter nach leicht Zugänglichem sucht. Das Kriterium der Kürze, dem eine dynamische Gesellschaft hohe Priorität einräumt, mögen Gedichte zwar erfüllen, leicht konsumierbar sind sie aber meist nicht. Immerhin braucht Lyrik Konzentration, Aufmerksamkeit und die Bereitschaft, sich auf komplexe Sprachbilder, formale Spielwiesen und Hermetik einzulassen.

Warum also Lyrik? Poetische Verdichtung eröffnet Denkräume und Wahrnehmungstopografien, in denen sich neue Zugänge zur Welt manifestieren. Gedichte stehen für Perspektivwechsel und Reflexion des Besonderen. Oft schon wurde Lyrik zum Hoffnungsanker, zum rettenden Wort in Not und Bedrängnis. Gedichte sind kostbar, ja unverzichtbar. Dass Lyrik für außergewöhnliche Register der Weltaneignung steht, zeigen auch die hier vorgestellten Werke.