Atombombenvideo: Das war der falsche Film!

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Warum ein vom Außenministerium in Auftrag gegebenes nukleares Horror-Video kontraproduktiv ist.

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Warum ein vom Außenministerium in Auftrag gegebenes nukleares Horror-Video kontraproduktiv ist.

„Folgen eines Atombombenabwurfes auf Wien“ nennt sich ein auf YouTube abrufbares, 90 Sekunden langes nukleares Horror-Video, in dem gewissermaßen amtlich vorgeführt wird, was mit Österreichs Hauptstadt geschähe, würde sie von einer Atombombe mit der Sprengkraft von hundert Kilotonnen getroffen. 230.380 Tote wären zu beklagen! Anlass zur Produktion dieses vom Außenministerium beauftragten Splatter-Movies war das Inkrafttreten des schon im Juli 2017 von 122 Staaten in New York befürworteten Atomwaffenverbotsvertrag (TPNW) am 22. Jänner dieses Jahres, nach Überschreiten der erforderlichen Mindestzahl von fünfzig Unterzeichnerstaaten.

Die Promotoren des von keiner einzigen Atommacht und keinem NATO-Mitgliedsstaat unterzeichneten Vertrages behaupten, man läute damit „den Anfang vom Ende dieser heimtückischen Waffen ein“. Wenn das keine bewusste Irreführung ist, was ich nicht annehmen möchte, handelt es sich jedenfalls um eine beunruhigend realitätsferne Fehleinschätzung dessen, was damit bewirkt werden kann.

Eine „reale Bedrohung“?

Als Reaktion auf verstörte Anfragen, was die angsterregende mediale Veranschaulichung des Undenkbaren eigentlich bezwecken soll, hieß es, man wolle zeigen, „dass die Bilder, die wir aus Hiroshima und Nagasaki kennen, leider nicht der Vergangenheit angehören“. Minister Alexander Schallenberg, den ich schätze und dessen gute Absicht ich glauben will, fügte ausdrücklich hinzu, es handle sich um „keine spekulative Angstmache, sondern leider eine reale Bedrohung“.

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