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75 Jahre DIE FURCHE

Leuchtturm - © Foto: Pixabay
Religion

Jürgen Manemann: Weg mit dem Selbstmitleid!

1945 1960 1980 2000 2020

Taugt Religion, das Christentum oder gar die Kirche als Leuchtturm für die Gesellschaft? Nach Überzeugung des Theologen und Philosophen Jürgen Manemann muss sich jedenfalls die institutionelle Form der Religion radikal verändern, will sie zukünftig Potenzial entwickeln.

1945 1960 1980 2000 2020

Taugt Religion, das Christentum oder gar die Kirche als Leuchtturm für die Gesellschaft? Nach Überzeugung des Theologen und Philosophen Jürgen Manemann muss sich jedenfalls die institutionelle Form der Religion radikal verändern, will sie zukünftig Potenzial entwickeln.

In den Umbrüchen der Zeitläufte steht auch die Rolle der Religion in Diskussion. Der Rede vom „christlichen Europa“ haftet etwas Vergangenes an, und die Gegenwart der Pandemie beschleunigt die gesellschaftlichen Transformationsprozesse immens. Das konstatieren Zeitdiagnostiker aller Couleur. Aber wenn sich Europa nicht auch über die Religion definiert, was tritt an deren Stelle? Und welche Zukunft hat dann das Christentum? Die FURCHE sprach darüber mit dem Theologen und politischen Philosophen Jürgen Manemann, Schüler und Denker in der Nachfolge des im Vorjahr verstorbenen Begründers der „Neuen Politischen Theologie“, Johann Baptist Metz.

In den Umbrüchen der Zeitläufte steht auch die Rolle der Religion in Diskussion. Der Rede vom „christlichen Europa“ haftet etwas Vergangenes an, und die Gegenwart der Pandemie beschleunigt die gesellschaftlichen Transformationsprozesse immens. Das konstatieren Zeitdiagnostiker aller Couleur. Aber wenn sich Europa nicht auch über die Religion definiert, was tritt an deren Stelle? Und welche Zukunft hat dann das Christentum? Die FURCHE sprach darüber mit dem Theologen und politischen Philosophen Jürgen Manemann, Schüler und Denker in der Nachfolge des im Vorjahr verstorbenen Begründers der „Neuen Politischen Theologie“, Johann Baptist Metz.

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DIE FURCHE: Wenn ein Wort das Jahr 2020 charakterisiert, dann ist es „Krise“. Natürlich kommt da in unseren Breiten zuerst die Pandemie in den Blick. Was ist die Rolle der Religion in dieser Krise?
Jürgen Manemann: Aus meiner christlichen Perspektive hat das Phänomen der Religion sehr viel mit dem Unverfügbaren zu tun. Religionen helfen, das Unverfügbare wahrzunehmen und damit zu leben. Der amerikanische Philosoph George Santayana hat das so formuliert: „Religion ist die Liebe zum Leben im Bewusstsein eigener Ohnmacht.“ Diese Liebe ist in der Krise von großer Bedeutung. Denn wir werden gegenwärtig auf unterschiedlichen Ebenen mit Ohnmachtserfahrungen konfrontiert. Auch privilegierte Menschen erfahren plötzlich, dass sie ihr Leben nicht vollends kontrollieren können, dass auch ihr Leben gefährdet ist. Religion als genau diese Liebe im Bewusstsein der Ohnmacht könnte helfen, dass eine neue Empfindlichkeit für die unterschiedlichen Verwundbarkeiten von Menschen entsteht. Gerade in der Coronakrise haben wir es mit unterschiedlichen Verwundbarkeiten zu tun, die nicht mit dem Leben an sich zusammenhängen, sondern ökonomisch, politisch und gesellschaftlich inszeniert sind.

Aber ich nehme wahr, dass mehr Menschen darüber nachdenken, was es heißen könnte, ein gutes Leben zu führen.

Jürgen Manemann

DIE FURCHE: Religion hilft also in der Bewältigung der Pandemie?
Manemann: Ich sehe zurzeit kein Wiedererstarken eines Interesses an Religion, und erst recht sehe ich kein Erstarken des Interesses an Religion in einer institutionalisierten Form. Aber ich nehme wahr, dass mehr Menschen darüber nachdenken, was es heißen könnte, ein gutes Leben zu führen. Menschen beginnen zu entdecken, dass es ein Leben jenseits des Konsums gibt. Durch den erzwungenen Rückgang des Konsums entsteht eine Leerstelle, die dazu führen könnte, dass Menschen mehr über ihre konkreten Bedürfnisse nachdenken und auch darüber, welche Bedürfnisse sie überhaupt befriedigen möchten.

DIE FURCHE: Ist da aber nicht auch eine neue Religion entstanden? Naturwissenschaft und Medizin als letzte Hoffnung – etwa auf einen Impfstoff …
Manemann: Es ist erst einmal gut, dass es gelungen ist, im politischen Raum Wissenschafter(inne)n Gehör zu verschaffen. Aber das bringt auch Gefahren mit sich. Die eine Gefahr besteht darin, dass die Wissenschaft zu einer Ideologie wird, die den Anspruch erhebt, alles zu überblicken und auch politische Entscheidungen treffen zu können. Die andere Gefahr besteht darin, dass Entscheidungsträger(innen) immer mehr Verantwortung an Wissenschafter(innen) delegieren, um so ihrer eigenen Entscheidungsverantwortung auszuweichen. Bislang ist es aber den Wissenschafter(inne)n, die als Fachautoritäten im öffentlichen Diskurs gelten, gut gelungen, diese Fallstricke zu vermeiden.

DIE FURCHE: Haben sich die Kirchen aber nicht diesem wissenschaftlichen Zugang untergeordnet?
Manemann: In den ersten Monaten hat es einen Rückzug der Kirchen aus dem öffentlichen Leben gegeben. Kirchen wurden geschlossen, Gottesdienste fanden nicht statt. Rückwirkend ist kritisch zu fragen, ob es überhaupt sinnvoll war, die Kirchen zu schließen, während Supermärkte öffnen durften. Dabei gilt es aber auch in Rechnung zu stellen, dass die Entscheidungsträger in der Kirche – wie wir alle! – angesichts der Entwicklungen überfordert waren. Versagt hat die Kirche jedoch im Blick auf Menschen in Pflegeheimen. Ältere, aber auch junge Menschen und vor allem Sterbende wurden hier alleingelassen. Das hätte nicht passieren dürfen. Aber die Kirchen haben erklärt, dass das kein zweites Mal geschehen werde.

Manemann - © Privat

Jürgen Manemann

Der Theologe und politische Philosoph leitet das Forschungsinstitut für Philosophie Hannover. Der Schüler von Johann Baptist Metz (Promotion 1993) versteht Philosophie als Zeitdiagnostik und versteht sich geprägt von der Kritischen Theorie, der Anerkennungsphilosophie von Emmanuel Lévinas und dem prophetischen Pragmatismus von Cornel West. Er setzt sich mit Fragen von Demokratie oder Ökologie ebenso auseinander wie etwa dem Dschihadismus oder dem zeitdiagnostischen Potenzial von Hip-Hop.

Der Theologe und politische Philosoph leitet das Forschungsinstitut für Philosophie Hannover. Der Schüler von Johann Baptist Metz (Promotion 1993) versteht Philosophie als Zeitdiagnostik und versteht sich geprägt von der Kritischen Theorie, der Anerkennungsphilosophie von Emmanuel Lévinas und dem prophetischen Pragmatismus von Cornel West. Er setzt sich mit Fragen von Demokratie oder Ökologie ebenso auseinander wie etwa dem Dschihadismus oder dem zeitdiagnostischen Potenzial von Hip-Hop.

DIE FURCHE: Dennoch: Hat die Wissenschaftsgläubigkeit nicht doch stark zugenommen?
Manemann: Diese Gefahr sehe ich nicht, weil es dazu in der Wissenschaft charismatische Persönlichkeiten bräuchte, die sich selbst in den Vordergrund drängen. Solche charismatischen Persönlichkeiten sehe ich nicht. Würden sich Naturwissenschaftler(innen) in dieser Art charismatisch gebärden, liefen sie Gefahr, ihre Reputation zu verlieren.

DIE FURCHE: Mag sein, dass diese Diagnose bei den Wissenschaftern stimmt. Aber aufseiten der Coronaleugner und Verschwörungsprediger findet man charismatische Gestalten, die andere Menschen mitreißen können.
Manemann: Unter den Coronaleugnern hat es binnen kurzer Zeit eine starke Radikalisierung gegeben. Ich bin selbst auf solchen Demonstrationen gewesen, um mit Menschen dort ins Gespräch zu kommen. Zu Beginn habe ich gute Gespräche geführt. Ich bin auf Menschen getroffen, die Argumente geliefert haben, warum sie auf die Straße gehen. Da habe ich niemandem getroffen, der gesagt hat: Corona gibt es nicht. Wir haben darüber diskutiert, ob die Maßnahmen angemessen waren. Aber innerhalb weniger Wochen wurden aus diesen Menschen Coronaleugner(innen). Es ist den Verschwörungsideologen tatsächlich gelungen, die Unsicherheit und Ungewissheit dieser Menschen auszunutzen und die Leerstellen in ihrem Denken mit Ideologien zu besetzen.

DIE FURCHE: Warum ist das so schnell passiert?
Manemann: Valide Daten dazu gibt es noch nicht. Mein Eindruck auf diesen Demonstrationen war aber, dass der Großteil dieser Menschen aus der Mittelschicht kommt. Und ich frage mich, woher diese Angst kommt, die mittlerweile in Aggression umgekippt ist. Diesen Menschen scheint es doch materiell gesehen gut zu gehen. In dieser Aggression offenbart sich meines Erachtens Ressentiment. Ressentiment ist eine verspätete Rache. Ressentiment-Menschen üben Rache an einem Ersatzobjekt – das sind die politischen Entscheidungsträger(innen) und die Virolog(inn)en – für eine Verletzung, die schon viele Jahre zurückliegt, auf die sie damals aber nicht reagieren konnten. Ursächlich für das gegenwärtige Ressentiment könnte die schon seit Jahren sich ausbreitende Angst vor dem sozialen Abstieg und das damit einhergehende Gefühl des Kontrollverlusts sein. Psycholog(inn)en sprechen davon, dass die Störungen, mit denen sie zurzeit in ihren Praxen zu tun haben, nicht durch die Pandemie verur­sacht wurden, sondern schon vorher da waren und jetzt verstärkt werden. Das nehme ich auch bei den Coronaleugner(inn)en wahr. Diese Aggression ist nicht durch das Virus entstanden und wird auch nicht mit dem Virus wieder verschwinden.

Manemann-Buch - © Transcript
© Transcript
BUCH

Demokratie und Emotion

Was ein demokratisches Wir von einem identitären Wir unterscheidet
Von Jürgen Manemann
transcript 2019
126 S., TB,
€ 17,99

DIE FURCHE: Sie haben sich philosophisch-theologisch auch mit Hip-Hop beschäftigt. Thematisiert Hip-Hop jetzt die Fragen der Coronakrise?
Manemann: Das kann ich zurzeit nicht umfassend beantworten. Der Rapper Spax hat während der Kontaktbeschränkungen ein Gedicht unter dem Namen „Krisengesicht“ ins Netz gestellt. Dort spricht er davon, dass wir das kaufen, was in Krisenzeiten am nötigsten sei: Mehl und Hefe. Es stimmt, alle Luxusartikel waren in den Regalen erhältlich, aber Mehl und Hefe waren nicht zu kriegen. Eine interessante Beobachtung. Und Spax fragt, ob uns diese Erfahrung verändern wird, ob Mehl und Hefe uns wieder für das Eigentliche im Leben sensibilisieren werden.

DIE FURCHE: Warum gelingt in der Kirche ein derartiger einfacher Blick nicht?
Manemann: Weil wir – so befürchte ich, und da beziehe ich mich mit ein – die Nähe zum Leben verloren haben, weil wir in der Kirche vom Leben entfremdet sind, von den Menschen genauso wie von der Natur. Es wird uns nur gelingen, die Institution Kirche neu mit Leben zu füllen, wenn wir das Christsein als Lebensform neu entdecken. Aber das Problem ist, dass wir eine Lösung für ein Problem anbieten, das viele Menschen gar nicht haben.

DIE FURCHE: Welches Problem existiert da nicht?
Manemann: Lebensformen sind Problemlösungshilfen. Die zentrale Botschaft des Christentums ist die Auferstehung. Wenn die Auferstehung die Lösung ist, dann, so die Antwort der Kirche, ist der Tod das Problem. Für viele Menschen ist aber der Tod nicht mehr das Problem, sondern das Sterben. Die Kirche hat die Auferstehungslehre individualisiert und privatisiert. Damit hat sie das Problem, auf das der Auferstehungsglauben die Antwort ist, aus dem Blick verloren. Dem Auferstehungsglauben wohnt von seinen Ursprüngen her ein politisches Moment inne. Der Gedanke an die Auferstehung ist Protest gegen eine ungerechte Geschichte, in der die Täter immer wieder über die Opfer triumphieren. Auferstehung ist die Hoffnung auf Gerechtigkeit über den Tod hinaus. Nicht mein Tod ist das Problem, sondern der Tod der anderen.

DIE FURCHE: Sie kritisieren auch die Apokalypse-Blindheit in Gesellschaft und Kirche.
Manemann: Ich habe den Eindruck, dass in der Kirche der Zusammenhang zwischen Coronakrise und Klimakrise nicht erkannt wird. Es scheint davon ausgegangen zu werden, dass es eine krisenfreie Post-Corona-Zeit geben wird. Es wird nicht erkannt, dass wir bereits vor der Pandemie in einer Krise lebten, die noch größer werden wird als die, die wir aktuell erfahren.

DIE FURCHE: Mit Papst Franziskus hat die katholische Kirche da aber doch einen eindringlichen Warner in den eigenen Reihen.
Manemann: Umso mehr stellt sich die Frage: Warum ist die Kirche in westlichen Gesellschaften nicht in der Lage, mit Papst Franziskus zu erkennen, dass wir es hier mit einer Krise zu tun haben, deren Ausmaß und Folgen wir uns nicht ausmalen können? Der Graben zwischen Kirche und Welt und Natur lässt uns die drohende Apokalypse durch die Erhitzungskatastrophe nicht sehen. Laut dem Präsidenten der Leopoldina, der Deutschen Akademie der Wissenschaften, müssen wir bis zum Ende dieses Jahrhunderts damit rechnen, dass drei Milliarden Menschen die Grundlage zum Leben entzogen werden wird. Anders gesagt: 40 Prozent der Menschheit werden sterben, wenn wir jetzt nicht handeln. Natürlich gibt es in den Kirchen viele kleine Klimaprojekte, was aber fehlt, ist das große Transformationsprojekt, das auch Franziskus einfordert.

Der Physiker und Philosoph Carl Friedrich von Weizsäcker hat schon in den 1980er Jahren gefordert, dass wir lernen, über unseren Zustand zu weinen.

Jürgen Manemann

DIE FURCHE: Woran liegt das?
Manemann: Die Kirche hat ihre apokalyptischen Traditionen vergessen. Sie denkt nur mehr schöpfungstheologisch und hat durch einen inflationären Gebrauch des Begriffs der Schöpfung diesen Begriff entleert. Wir sollten heute die Schöpfung von der Apokalypse her neu lesen und die Schöpfungstheologie neu entwickeln. Und da komme ich wieder auf die Lebensform Christsein zurück: Wir sollten uns radikal an das Leben rückbinden und in der Lage sein, mit unserem Körper zu denken, denn das fordert die Johannes-Apokalypse. Da heißt es, dass Gott die Tränen abwischen wird. Das bedeutet, die Vision der Apokalypse auf einen neuen Himmel und eine neue Erde gilt nur denen, die Tränen in den Augen haben. Der Physiker und Philosoph Carl Friedrich von Weizsäcker hat schon in den 1980er Jahren gefordert, dass wir lernen, über unseren Zustand zu weinen. Ohne diese trauernde Sensibilität werden wir auf die Klimakrise nicht adäquat reagieren.

DIE FURCHE: Und das heißt?
Manemann: In der Kirche herrscht zu wenig Sensibilität und zu viel Sentimentalität: Die Kirche hat zu viel Mitleid mit sich selbst und zu wenig mit der Welt. Franziskus spricht vom Ökozid als Menschheitsverbrechen. Wir sollten alles Menschenmögliche tun, um das zu verhindern – und das sehe ich bei der Kirche überhaupt nicht. Im Gegenteil, die Kirche zieht sich immer weiter in sich selbst zurück, weil sie merkt, dass außerhalb der Kirche andere Akteure und Akteurinnen viel weiter und engagierter sind als sie es ist.

DIE FURCHE: Apokalypse ist auch das Thema der Verschwörungsprediger. Worin unterscheidet sich Ihre Sicht auf die Apokalyptik von deren Argumentation?
Manemann: Apokalyptik, wie ich sie verstehe, steht in prophetischer Tradition. Prophetische Apokalyptiker(innen) versuchen alles zu tun, damit die Vorhersage nicht eintritt. Sie möchten die menschengemachte Apokalypse verhindern. Aber es gibt auch Ideologen, die die Rede von der Apokalypse missbrauchen, sich am Untergang erfreuen, um sich selbst ins Recht zu stellen. Das Wort Apokalyptik steht für Enthüllung, Offenbarung. Die Apokalypse soll helfen, Machtstrukturen zu erkennen und offenzulegen. Johann Baptist Metz war es wichtig zu betonen, dass Apokalyptik uns mit der Befristung der Zeit konfrontiert. Jeder Instrumentalisierung biblischer Apokalyptik für eine verschwörungsideologische Apokalypse muss eine klare Absage erteilt werden – das ist ein Missbrauch biblischer Texte.

Um ein Christentum mit Potenzial zu entwickeln, müssen wir weg von der Fixierung auf die Institution Kirche. Wir kämpfen mehr um diese als um die Lebensform Christentum.

Jürgen Manemann

DIE FURCHE: Trotz oder gerade angesichts apokalyptischer Gefahren – welches Christsein braucht es, um zukunftsträchtig zu sein?
Manemann: Ich nehme eine schädliche Fokussierung auf die Institution wahr. Um ein Christentum mit Potenzial zu entwickeln, müssen wir weg von der Fixierung auf die Institution Kirche. Wir kämpfen mehr um die Institution Kirche als um die Lebensform Christentum. Wir sollten das Jesus-Wort „Wer sein Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen“ auch auf die Kirche anwenden: Wer seine Institution um meinetwillen verliert, wird sie auf neue Weise gewinnen. Wir haben Angst davor, die Institution zu verlieren. Um Jesu Christi Willen müssen wir sie aber aufs Spiel setzen. Wenn wir uns das nicht trauen, werden wir die Potenziale unserer Traditionen nicht neu entdecken.

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